Plagiatsaffäre: Zu Guttenberg fühlt sich schlecht behandelt

Erst seit wenigen Tagen ist er zurück auf der politischen Bühne. Karl-Theodor zu Guttenberg hat auf der Sicherheitskonferenz in Halifax seinen Einstand als Vermittler zwischen USA und Europa gegeben. Doch „Friede-Freude-Eierkuchen“ ist im Hause zu Guttenberg nicht. In einem ausführlichen Interview spricht er nun erstmals über die schwere Zeit vor gut neun Monaten.

Sein Rücktritt im März dieses Jahres kam einem politischen Paukenschlag gleich. Die Vorwürfe, der Franke habe sich bei seiner Doktorarbeit massiv an fremdem geistigen Eigentum bedient ohne dies zu kennzeichnen, wog schwer. Gegen eine Zahlung von 20.000 Euro wurde das Verfahren gegen ihn zwar erst vor kurzem eingestellt. Vergessen kann der einstige Verteidigungsminister allerdings auch im fernen Amerika, wo er seit diesen Sommer mit seiner Familie wohnt, nicht.

Universität Bayreuth war nicht unabhängig

Der CSU-Politiker holt in einem 200 Seiten starken Gespräch in Buchform zum sprichwörtlichen Rundumschlag aus. Vor allem gegen seine Alma Mater, die Universität Bayreuth erhebt der 39-Jährige schwere Vorwürfe: „Die Universität war in dieser Sache leider nicht unabhängig, wie etwa die Staatsanwaltschaft, sondern immer Partei“, so zu Guttenberg in „Vorerst gescheitert“, das nach einem Treffen mit „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in einem Londoner Hotel in diesem Oktober entstand. Zwar räumt er zahlreiche Fehler ein. Den Vorwurf des Vorsatzes weist er aber weiter entschieden zurück.

Neben der Universität sind es auch einstige Weggefährten, die bei ihm in Missgunst gefallen sind. Sowohl Bildungsministerin Annette Schavan als auch dem Bundestagspräsident Norbert Lammert sowie dem ehemaligen Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Wolfgang Böhmer, wirft zu Guttenberg vor, ihm in der Plagiatsaffäre ohne jegliche Vorwarnung einfach in den Rücken gefallen zu sein.

Amtsniederlegung vor Bundestagswahl 2013 geplant

Neben der Verteidigung des eigenen politischen Erbes findet sich in dem an diesem Dienstag erscheinenden Buch aber auch eine echte Überraschung: So wäre sein Rückzug wohl auch ohne das Stolpern über seine Doktorarbeit vonstatten gegangen. Noch vor der Bundestagswahl 2013 hatte er vor, seinen Regierungsposten zu räumen. „Ich habe der Bundeskanzlerin Ende letzten Jahres angekündigt, dass ich wahrscheinlich vor Ende der Legislaturperiode aufhören werde.“

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