Roland Emmerich über „Anonymus“: „Ich wollte gar nichts beweisen“

Im Rahmen der Deutschlandfilmpremiere von "Anonymus" traf Kamuran Egri den Regisseur Roland Emmerich für die Deutsch Türkischen Nachrichten in Berlin zum Interview. Der berühmte deutsche Filmemacher gibt darin Auskunft über den Grund für seine Liebe zu Berlin, die Oberflächlichkeit von Hollywood und was ihn von anderen Regisseuren unterscheidet.

„Anonymus“ – Wer war der wahre Dichter von Shakespare? diese Frage stellt sich Roland Emmerich in seinem neuen Film. Emmerich ließ die Menschheit in „Independance Day“ gegen Aliens kämpfen und in „2012“ die Erde untergehen. Das war einmal. Nun überrascht uns der Erfolgsregisseur mit seinem neuen Film „Anonymus“ über die Vergangenheit von William Shakespeare (1564-1616). In seinem Film behauptet er, die Texte würden gar nicht aus der Feder des englischen Dramatikers Shakespeare stammen, sondern von jemand anderem.

„Ich wusste, diesen Film will ich machen“

DTN: Man nennt Sie wegen Ihrer filmischen Zerstörungsorgien auch „Master of Desaster“, jetzt haben Sie sich Shakespeare vorgeknöpft. Wollen Sie beweisen, dass Sie mehr können als nur draufhauen?

Emmerich: Ach, ich wollte gar nichts beweisen. Schon vor zehn Jahren hatte ich mich in das Drehbuch vernarrt. Ich wusste, diesen Film will ich machen, egal wie lange es dauert ihn zu realisieren.

DTN: Wie kommt es, dass Sie in Babelsberg drehen als Stuttgarter? Durch den Dreh in Babelsberg verbrachten Sie sicher auch viel Zeit in Berlin. Ist Ihnen die Stadt ans Herz gewachsen?

Emmerich: Berlin gefiel mir immer gut, mittlerweile habe ich eine Wohnung in Schöneberg. Zur Premiere wohnte ich wieder zwei Tage dort. Da finde ich frische Hemden, frische Unterwäsche, und das mag ich sehr. Meine Assistentin füllt mir den Kühlschrank mit Leckereien. Durch Fritz Lang ist mir Babelsberg auch ans Herz gewachsen und dort ist Deutschlands Filmwirtschaft, wo man auch billiger drehen kann als woanders.

DTN: Wäre es nicht reizvoll für Sie, einen Film mit schwulem Inhalt in der Tradition von „Brokeback Mountain“ zu drehen?

Emmerich: Auf jeden Fall, und ich habe da schon eine Idee, die ich aber noch nicht konkretisieren kann.

DTN: Wie wichtig war es für Sie, diesen Film „Anonymus“ zu drehen?

Emmerich: In gewisser Weise sehr wichtig! Wenn du irgend etwas im Kopf hältst, dann bleibt es auch da. Ich habe viele Projekte im Kopf, wo ich noch kämpfe, dass sie gemacht werden.

DTN: War es eine große Herausforderung?

Emmerich: Nein, eigentlich nicht. Es war einfach relaxt. Ich wusste ganz genau, was ich tun wollte und es hat irre Spaß gemacht.

DTN: Sie glauben doch nicht wirklich, dass die Shakespeare-Stücke von jemand anderemgeschrieben wurden, oder?

Emmerich: Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht der Mann aus Stratford war und halte den Earl of Oxford für denjenigen, der am meisten in Frage kommt. Hundertprozentig sicher kann sich allerdings niemand sein.

„Keiner muss mehr nachdenken. Das ist Hollywood!“

DTN: Zu Shakespeares Zeiten war das Theater äußerst politisch. Sollte das heute nicht Hollywood erfüllen?

Emmerich: Wir leben in einer total angepassten Gesellschaft. Die Leute schauen sich im Kino doch nur noch Fortsetzungsfilme an. Da ist man sicher: Was man bekommt, alles ist gut und keiner muss mehr nachdenken. Das ist Hollywood!

DTN: Aber Sie bedienen das mit Ihren Erfolgsfilmen doch auch.

Emmerich: Ich versuche immer, freche Dinge hineinzutun. In „The Day After Tomorrow“ behandelte ich das Thema Umweltverschmutzung oder ließ die Menschen in den Staaten über die Grenze von Mexiko illegal flüchten und in meinem letzten großen Hollywoodfilm „2012“ habe ich mehr oder weniger gesagt: Traue ja nicht deiner Regierung, sie lügt dich ja eh an!

„Anonymus“ ist ein intelligent gemachter Shakespeare Verfilmung über William Shakespeare und ist großartig ins Szene gesetzt. Filmstart 10. November 2011!

Hier ein Video des Trailers von „Anonymus“:

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