Italien: Berlusconi zum Rücktritt bereit

Italiens Premier Silvio Berlusconi hat im italienischen Fernsehen seinen Rückzug aus der Politik angekündigt.

Silvio Berlusconi, der in den vergangenen Wochen immer mehr öffentlichen Druck erfahren hatte, will offenbar in Kürze sein Amt zur Verfügung stellen. Dies gab er nach einem Gespräch mit Staatsoberhaupt Giorgio Napolitano im italienischen Fernsehen bekannt: „Die Regierung hat nicht mehr die Mehrheit, die wir zu haben glaubten. Wir müssen also diese Situation realistisch zur Kenntnis nehmen und uns um die Lage Italiens kümmern und um das, was auf den Finanzmärkten geschieht“, so Berlusconi.

Ob Neuwahlen in Italien anstehen oder erst einmal eine gemeinsame Übergangsregierung mit der Opposition geschaffen wird, ist noch offen. Goldman Sachs allerdings steht Neuwahlen skeptisch gegenüber (mehr hier). Das Unternehmen erklärte in einem Bericht: „Neuwahlen könnten frühestens Mitte Januar stattfinden, und wegen der Unruhe an den Märkten werden sei höchstwahrscheinlich sogar in den Frühling verschoben. Das wäre aus unserer Sicht das worst case Szenario für die Märkte. Weil sich Präsident Napolitano dessen bewusst ist, wird er vermutlich versuchten, die Auflösung des Parlaments zu verhindern. Außerdem würden die meisten Mitte-Parteien versuchen, das Wahlrecht zu verändern, bevor es Neuwahlen gibt.“

Vor seinem Rücktritt will Berlusconi aber noch die Reformen umsetzen, welche ihm die EU auferlegt hat. Beim zurückliegende EU-Gipfel in Cannes war eine Überwachung des hochverschuldeten Landes durch die EU und den Internationalen Währungsfonds IWF beschlossen worden. Die Stimmung an der Börse hellte sich nach Berlusconis Rücktrittsankündigung deutlich auf. Der Dow-Jones-Index stieg um 102 Punkte bzw. 0,8 Prozent auf 12.170 Zähler, der Nasdaq um 32 Punkte oder 1,2 Prozent auf 2.727 Zähler.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.