Gül: Türkei könnte Antriebsmotor der EU sein!

Teile der türkischen Bevölkerung sind frustriert. Sie haben die ewigen Beitrittsverhandlungen mit der EU satt. Die Regierung hält jedoch an ihrer Absicht, EU-Mitglied zu werden fest und betont, dass ein Beitritt auch für die EU vorteilhaft wäre.

Die Türkei sitzt seit Jahrzehnten auf der Wartebank. Nach und nach werden Länder aufgenommen. Die jüngsten Mitgliedstaaten der EU sind Bulgarien und Rumänien. Nur die Türkei wartet weiterhin vergeblich. Doch abbringen lässt sie sich von ihrem Wunsch nicht – zumindest die Regierung nicht. In einem Interview mit der „Financial Times“ betonte Staatspräsident Gül die Hoffnung auf einen Beitritt erneut.

Reformbestrebungen und Anpassungen an die europäischen Standards unterstreichen diese Absicht. Kritiker glauben, die türkische Regierung erlasse die Reformen nur, um in die EU zu kommen. Eine ernst gemeinte Bestrebung, das Land zu demokratisieren, sei von der konservativen Regierung nicht zu erwarten, meinen sie. Gül versucht diese Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Auch wenn sich die Tür zur EU für die Türkei endgültig schließe, so Gül, werde Ankara an den Reformen festhalten.

Das enorme Wirtschaftswachstum könnte der schwächelnden Euro-Zone helfen, sagt Gül. Er erklärt: „Einige Menschen denken vielleicht, die Türkei könnte eine Last für die EU sein, doch ich glaube, es wird genau das Gegenteil der Fall sein: Die Türkei würde der Antriebsmotor der EU werden“, erklärte Gül der „Financial Times“.

Die Türken warten nicht mehr nur, sie fordern auch. Teile der Bevölkerung sind mittlerweile frustriert und fühlen sich von der Europäischen Union an der Nase herumgeführt. Ein EU-Beitritt ist für viele nicht mehr zwingend erforderlich. Grund dafür ist nicht zuletzt die wachsende Wirtschaftskraft und das steigende Ansehen in den arabischen Ländern. Die Türkei wird in den Beitrittsverhandlungen selbstbewusster.

Die Türkei sei noch nicht bereit und müsse noch viel ändern, heißt es. Eine funktionierende Marktwirtschaft wurde gefordert. Gül kritisiert solche Aussagen: „Wir haben eine besser funktionierende Marktwirtschaft als manche EU-Länder.“

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