Erdbeben in der Türkei: Wie viel kann Van noch ertragen?

Die Menschen in Van erfahren derzeit viel Leid. Durch das erste Erdbeben im Oktober starben mehr als 600 Menschen. Beim zweiten am Mittwoch gab es erneut dutzende Todesopfer. Wieder wird über Baumängel der Gebäude diskutiert. Allein eine härtere Bestrafung der Schuldigen könnte zukünftig die Zahl von Erdbebenopfern senken.

Zwei Erdbeben, zweimal die verzweifelte Suche nach Überlebenden. Viele konnten aus den Trümmern gerettet werden, aber zu vielen Menschen hat das Erdbeben das Leben gekostet. Eltern, die ihre Kinder begraben mussten und Männer, die ihre eigenen Familien nur noch tot aus den Trümmern ziehen konnten. Das Leid in Van ist groß. Nicht nur die Türkei, die gesamte Welt verfolgt die Ereignisse und ist betroffen.

Mit Nachbeben muss die Region noch drei Wochen lang rechnen. Auch wenn diese nie so stark sind wie das ursprüngliche Beben mit der Stärke 5,7, sind auch diese sehr gefährlich. Das seismologische Institut der Bogazici Universität hatte noch am Mittwoch erklärt, dass ein Erdbeben dieser Stärke normalerweise nicht zu Einstürzen oder zu Todesopfern führen dürfte. Das Problem in Van ist ein anderes. Zum einen kommt es nur wenige Kilometer unter dem Boden zum Aufeinandertreffen der Platten, so könne auch ein vergleichsweise schwaches Erdbeben großen Schaden anrichten und zum anderen sind viele Gebäude schon vom Erdbeben am 23. Oktober stark beschädigt gewesen.

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Derweil schlägt die Verzweiflung bei einigen Menschen in Wut um. Einige Politiker hatten zuvor erklärt, solange die Gebäude nicht beschädigt seien, könnten die Menschen wieder zurück in ihre Häuser und Wohnungen. Bei einem Besuch des Gouverneurs von Van, Münir Karaloğlu, in der Erdbebenregion kam es vor einem eingestürzten Gebäude zu Ausschreitungen. 200 bis 300 Menschen waren empört, als sie ihn sahen und forderten seinen Rücktritt.

Doch damit nicht genug. Es ist erschreckend, dass schon wieder Baumängel Grund für Einstürze bei beiden Erdbeben waren. Schon wieder – denn dieses Szenario spielte sich bereits beim verheerenden Marmara-Erdbeben 1999 ab. 20.000 Menschen kamen ums Leben. Eine Größenordnung, die man nicht imstande ist mit dem Verstand aufzunehmen. Baumängel waren auch hier der Grund für das enorme Ausmaß der Katastrophe. Mit genug Geld konnten sich Bauunternehmen jede Genehmigung erkaufen. Und das können sie immer noch, wie die Situation in Van zeigt.

Die Türkei ist und bleibt ein Erdbebengebiet. Daran wird niemand etwas ändern können. Hier greift die Forderung des Europaministers Egemen Bagis: Aneignung des europäischen Rechtssystems. Die Arbeit an der neuen Verfassung und die Umsetzung dieser ist die wichtigste Basis, um diesen Machenschaften ein Ende zu bereiten.

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