Zwangsheirat und Dönermord

Aufgeregt wird die Studie über die Zwangsheirat unter Menschen mit muslimischem Hintergrund in der deutschen Öffentlichkeit und in den Medien diskutiert. Sofort stellt sich die Frage: warum deutsche Behörden so hilflos gegenüber solchen Fällen von Rechtsmissbrauch sind. Oder wird hier genauso vorbei gesehen wie bei den Hunderttausenden von Missbrauchsfällen an Kindern durch Schutzbefohlene in den letzten vier Jahrzehnten?

Nun stellt sich heraus, dass die sogenannten Dönermorde einem rechtsradikalen Hintergrund zuzuordnen sind. 50 Jahre nach der Anwerbung von türkischen Menschen und 21 Jahre nach der Wiedervereinigung ist man fassungslos, dass solch grausame Taten auf der Verblendung von Menschen aus Ostdeutschland beruhen, die nie in der allgemeinen deutschen Gesellschaft angekommen sind. Kurioserweise hat man bei diesen Morden an die „türkische Mafia“ gedacht. „So sind sie halt, die Türken“ bringen sich gerne selber um oder es wurde vermutet, dass es sich um Wettgeschäfte gehandelt hätte.

Bei der RAF war es anders

Klar wurde auch mal spekuliert, dass es sich bei Gründen der Taten auch um politische Motive handeln könnte. Da aber anscheinend der deutsche Verfassungsschutz mit in diese Tragödie involviert war, hielt man sich lange Zeit bedeckt. Es handelt sich ja nur um acht Morde an Menschen türkischer und einem Menschen griechischer Herkunft. Mit anderen Worten: neun Morde hielt man nicht für genug, um sich um eine umfassende Aufklärung zu bemühen. Das sah in der 70er Jahren bei den Verbrechen der RAF schon anders aus. Aber da handelte es sich auch bei den Opfern um Vertreter der Elite der damaligen Bundesrepublik Deutschland. Dass die Täter nun aus Ostdeutschland stammen, wirft die ostdeutsche Gesellschaft wieder in die Zeit der rechtsradikalen Ausschreitungen in Rostock und Hoyerswerda zurück.

Es ist an der Zeit, endlich mal die Menschen aus diesen Ländern den Beauftragten der Bundesregierung für Integration zuzuordnen. Bundespräsident Christian Wulff sei besorgt über die Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland, sagte er bei seinem Antrittsbesuch in Mecklenburg-Vorpommern, meinte dabei aber die Mitbürger dunkler Hautfarbe, die mit andersstämmiger Herkunft wurden von ihm nicht bedacht.

Ostdeutschland doch eine „No-go-Area“?

Sollten doch die amerikanischen Reiseführer recht haben, die bestimmte Gegenden in Ostdeutschland als „No-go-Area“ bezeichnen? Wer die Zwangsehe zurecht verteufelt, sollte auch einen Blick nach Ostdeutschland wagen: dort sitzen die Ewiggestrigen noch in manchem Landtag.

Mit dem linken Auge ist man wachsam, auf dem rechten Auge ist man blind. Da kann nur die recht einfältige Werbung des ZDFs empfohlen werden: mit dem zweiten sieht man besser!

Werner Felten war Gründer von Metropol FM, dem ersten türkischsprachigen Radiosender in Deutschland und ist Autor des Buches „Allein unter Türken: Mitten drin statt von oben herab“ (2010).

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