Döner-Mörder: Waren sie Einzeltäter oder gibt es ein Netzwerk?

Zwei Zwickauer Neonazis begingen nach einem Banküberfall Selbstmord. Die Polizei fand in ihrer Wohnung ekelhafte Bekennervideos zu den bisher unaufgeklärten Morden an acht Türken und einem Griechen. Steckt hinter ihnen ein Netzwerk, das auch weiter gefährlich ist?

Die toten Zwickauer Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben sich auf hinterbliebenen DVDs zu Verbrechen bekannt, so unter anderm auch zu dem Bombenanschlag am 9. Juni 2004 in Köln, bei dem in einem mehrheitlich von türkischen Migranten bewohnten Viertel 22 Menschen durch Nägel verletzt wurden.

Auf einer DVD, die in den Trümmern des abgebrannten Zwickauer Wohnhauses gefunden wurde, ist nach Informationen des “Spiegel” etwa ein Foto der mutmaßlichen Bombe zu sehen, bevor sie scharf gemacht wurde. Nach der Tat waren die Ermittlungen der Polizei ohne Ergebnis geblieben. Beate Zschäpe, die mit den beiden mutmaßlichen Terroristen in dem abgebrannten Wohnhaus in Zwickau lebte, sitzt derzeit wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord sowie der schweren Brandstiftung in U-Haft.

Gleichzeitig sollen sich die Rechtsterroristen in dem Film dafür rühmen, neun Morde an Migranten begangen zu haben. Der Fall, der unter dem Namen der sogenannten Döner-Morde bekannt wurde, konnte ebenfalls nie aufgeklärt werden. Zwischen 2000 und 2006 waren in mehreren deutschen Städten acht türkische und ein griechischer Zuwanderer erschossen worden. Die Waffe wurde in den Trümmern des Wohnhauses in Zwickau gefunden.

Mundlos und Böhnhardt hatten nach einem Banküberfall in Eisenach Sebstmord begangen. Zschäpe stellte sich der Polizei. Brisant macht den Fall die Frage: Waren die Terroristen allein? Gab es ein rechtsextremistisches Netzwerk dahinter? Dass die Terroristen Unterstützer hatten, steht in Ermittlerkreisen mittlerweile außer Frage. Im Ziel der Fahnder steht das rechtsradikale Netzwerk des “Thüringer Heimatschutzes”.

Dietmar Bartsch, Vizechef der Linksfraktion im Bundestag, sieht hinter den neuen Erkenntnissen “einen handfesten Verfassungschutz-Skandal”. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass dazu keine Erkenntnisse vorlagen”, so Bartsch gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. “Es muss aufgeklärt werden, ob es da Schlampigkeit gab oder sogar Leichtfertigkeit beim Umgang mit Rechtsextremismus.”

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