Zivilschutz-Experten: Türkei hat beim Erdbeben völlig versagt!

Zivilschutz-Experten in der Türkei lasten den Behörden ein katastrophales Versagen bei der notwendigen Koordination der Erdbebenhilfe an.

Zwei aufeinanderfolgende Erdbeben der Stärken 7,2 und 5,6 hatten in den vergangenen Wochen die Gegend um Van in der südöstlichen Türkei erschüttert. Mehr als 640 Menschen verloren dabei ihr Leben, tausende wurden obdachlos. Nun haben einige Zivilschutz-Experten sowie Rettungskräfte geäußert, die Türkei habe in der Hilfskoordination gnadenlos versagt, schreibt „Hürriyet“.

„Bei Zivilschutz geht es nicht nur um die Rettung von Menschen aus den Trümmern. Es muss einen größeren Katastrophenschutzplan geben, der leicht angewendet werden kann.“ Das sei in diesem Fall bei den Erdbeben nicht der Fall gewesen, so Suat Özçağdaş, ein Psychologe, der in Katastrophengebieten bereits Hilfsprogramme getestet hat, gegenüber dem Blatt.

Die Behörden hätten nicht einmal die Ergebnisse der Katastrophe vorhersagen können. „Wenn sie es gekonnt hätten, würden sie sofort ausländische Hilfe angenommen haben. Die ersten Tage waren extrem wichtig „, kritisiert Özçağdaş, der Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit den wichtigsten internationalen Hilfsorganisationen vorweisen kann.

Ein anderer Spezialist der für solche Katastrophen in der Türkei zuständigen Behörde AFAD, der anonym bleiben will, kritisiert, die Generaldirektion der AFAD in Ankara sei sogar daran gescheitert, ihre Rettungskräfte nach Van zu bringen.

Man habe aus eigener Kraft und ohne Unterstützung irgendwie nach Van kommen müssen, „weil das Flugzeug mit Rettern für die vom Erdbeben betroffene Stadt nur ein paar Plätze hatte. Es dauerte 30 Stunden, um dort anzukommen und wir waren alle müde. Die ersten 24 Stunden sind kritisch und wir verloren viel Zeit“, so der Retter.

Zudem seien die Direktoren der AFAD in Ankara keine Experten im Katastrophenmanagement, sie seien nur Bürokraten, fügte er hinzu. „Es gibt etwa 100 Krisenmanager in Ankara, aber keiner von ihnen kam nach Van. Die Leitung des Katastrophenmanagements wurde an den Gouverneur von Van abgegeben, der aber keine Erfahrung im Umgang mit solchen Fällen hatte.“ Andere Retter und Zivilschutz-Experten, die auch in Van vor Ort waren, hätten sich ebenfalls über die mangelnde Koordinierung beschwert, so „Hürriyet“ weiter.

Ein weiterer AFAD-Experte gibt zu Bedenken, was geschehen würde, wenn ein Erdbeben Istanbul treffen würde. „Wir haben bei 600.000 Menschen in Van versagt. Was würden wir in Istanbul bei 18 Millionen Menschen tun?“

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