Türkenmord: Warum hat V-Mann Tötung nicht verhindert?

Bei der Ermordung des 21-jährigen Türken Halit Yosgat am 6. April 2006 in einem Internetcafé in Kassel soll ein Verfassungsschützer vor Ort gewesen sein. Seine Rolle ist unklar. Offenbar handelt es sich laut SPD-Bundestagsgeschäftsführer Thomas Oppermann jedoch wohl tatsächlich um einen Mann mit "starker rechter Gesinnung".

Nicht endgültig geklärt ist die Frage, ob der V-Mann kurz vor der Tötung des türkischen Internetcafé-Betreibers durch zwei Kopfschüsse den Raum verlassen hat, oder ob er sich noch während der Bluttat dort befand. Doch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte am Dienstag unter Berufung auf Sicherheitskreise in Wiesbaden berichtet, dass der Verfassungsschützer zum Zeitpunkt des Mordes an Halit Yosgat im April 2006 noch im Internetcafé in Kassel aufgehalten haben. Demnach wäre er bei einem der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zugerechneten Morde möglicherweise stärker involviert gewesen als bislang bekannt. Wenn der V-Mann zum Zeitpunkt des Tötungsverbrechens noch im Café war, hätte er den Tatort heimlich verlassen müssen.

Oppermann: V-Mann war an drei weiteren Tatorten

Die Polizei hatte den ehemaligen hessischen Verfassungsschützer zwei Wochen nach der Tat festgenommen. Er war einer von vier Leuten, die sich im Internetcafé aufgehalten hatten und nach denen die Polizei gefahndet hatte. Die drei anderen Personen hatten sich freiwillig bei der Kripo gemeldet. Nach der Festnahme hatte der Mann, der seine Rolle als Verfassungsschützer offenbar so gut spielte, dass er in seiner Heimatgemeinde als „kleiner Adolf“ verschrien war, gegenüber der Staatsanwaltschaft zu Protokoll gegeben, dass er aus privaten Gründen im hinteren Teil des Internetcafés auf Sexseiten gesurft habe. SPD-Bundestagsgeschäftsführer Thomas Oppermann erklärte allerdings am Dienstag, dass der V-Mann in der Nähe drei weiterer Tatorte der Mordserie war. Dieser Punkt macht die Erklärung des V-Manns, zufällig 2006 in dem Kasseler Internetcafé gewesen zu sein, unglaubwürdiger.

Zudem waren bei dem V-Mann Waffen sowie rechtes Propagandamaterial in der Wohnung gefunden worden. Vielen stellt sich nun die Frage, ob dies nur zum Schutz seiner Rolle gedacht war, oder ob womöglich mehr dahinter steckt. Oppermann ließ am Dienstag ebenfalls verlauten, es handele sich bei dem V-Mann um einen Mann mit „offenkundig starker rechter Gesinnung“. Auch seien weitere Neonazis als V-Leute angeworben worde, etwa der Chef des rechtsextremen „Thüringer Heimatschutzes“, Tino Brandt. Oppermann äußerte sich dazu entsetzt: „Für mich ist unbegreiflich, dass V-Leute in solchen Führungspositionen auch noch als Scharfmacher in der neonazistischen Szene vom Staat bezahlt werden.“ Eine weitere Frage die sich stellt: Hätte der V-Mann die Tötung des Türken nicht womöglich verhindern können?

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