Guttenberg ist zurück: Erster Auftritt auf Sicherheitskonferenz

Im vergangenen März trat Karl-Theodor zu Guttenberg überaschend von seine politischen Ämtern zurück. Der einstige Verteidigungsminister war über seine eigene Doktorarbeit gestolpert. Jetzt ist er, auch äußerlich verändert, zurück auf der politischen Bühne.

Knapp ein halbes Jahr hatte Karl-Theodor zu Guttenberg in einem beruflichen Vakuum verbracht. Dann, im vergangenen Sommer, packte er sprichwörtlich „Kind und Kegel“ ein und zog in die USA. Doch statt dort in der Versenkung zu verschwinden, ergatterte der Franke jenseits des großen Teiches schnell ein neues Betätigungsfeld und wechselte zu einem der renommiertesten Politik-Institute in den Vereinigten Staaten, dem in Washington ansässigen Forschungszentrum “Center for Strategic and International Studies” (CSIS).

Als “Distinguished Statesman” ist er nun zurück auf der internationalen Bühne. Auf der Sicherheitskonferenz im kanadischen Halifax, die noch bis diesen Sonntagnachmittag dauert, gab er sichtlich verändert sein Debüt. Vom einstigen „Schönling“ mit Gelfrisur und Brille ist wenig übrig. In graublauem Anzug ohne jegliche Schnörkel macht der 39-Jährige zumindest optisch eine sichtlich andere Figur. Viel Tamtam gibt es nicht. Keine eigens einberufene Pressekonferenz, kein augenscheinliches Sonnen im Blitzlichtgewitter der Kameras. Er hält sich zurück.

Guttenberg: Die EU tritt Panik-Entscheidungen

Stattdessen gibt es eine Rüge für Europas Politiker: „Es gibt noch immer keine Antwort auf die Krise, keine dauerhafte Lösung. Die politischen Entscheidungen in der EU reichen oft nur, um die Lage für wenige Tage zu beruhigen.“ Jetzt aus der Distanz betrachtet meint er, dass es an politischen Führern fehle, die ein Bild von Europa für die Zukunft entwerfen könnten, die auch emotional Europa präsentieren könnten. Die Folge: „Die Entscheidungen, die in der EU derzeit getroffen werden, wirken alle wie Panik-Entscheidungen.“ Eine für ihn nötige Konsequenz: Eine bessere Pflege der transatlantischen Beziehungen.

Die Reporter schauen genau hin. Für seinen unaufdringlichen Auftritt erntet Guttenberg viel Lob. Und einige Autoren in den Redaktionsstuben denken sogar schon weiter: „Wenn man Guttenberg in Halifax erlebt hat, dann ahnt man, wie er sich seine Rückkehr zuerst in die Öffentlichkeit und später auch in den Politikbetrieb vorstellt: in kleinen, leisen Schritten, die trotzdem jeder mitbekommen soll“, so Guiseppe di Grazia, „Stern“. „Zwei Jahre lang soll das so gehen, hat mal einer aus dem CSU-Umfeld gesagt. Aber kann so einer wie Karl-Theodor zu Guttenberg, ein geborener Sprinter, dieses gemächtliche Tempo wirklich einhalten?“

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