Babak Rafati: Ist er am Druck zerbrochen?

"Korrekt und unbeliebt" - mit diesen Attributen wird der 41-jährige Deutsch-Iraner Babak Rafati derzeit beschrieben. Am vergangenen Samstag hat der Schiedsrichter einen Selbstmordversuch unternommen. Erinnerungen an Robert Enke werden wach.

„Ich habe den drei Mitgliedern des Teams von Babak Rafati natürlich zugesagt und angeboten, dass jede Unterstützung und Hilfe, die ihnen der DFB gewähren kann, gewährt werden wird“, sichert DFB-Präsident einen Tag nach dem Selbstmordversuch Babak Rafatis in seiner Erklärung zu. Die Fußballwelt ist schockiert – und erneut aufgerüttelt. Erst vor zwei Jahren hatte sich der Hannoveraner Nationaltorwart Robert Enke vor einen Zug geworfen. Seine schweren Depressionen trieben ihn dazu Frau und Tochter hinter sich zu lassen. In einer bewegenden Trauerfeier nahmen 40.000 Menschen in der AWD-Arena in Hannover Abschied.

Babak Rafati: Erinnerung an Robert Enke wird wach

Schon damals lautete der allgemeine Tenor genauer hinzuschauen, Überforderung nicht mehr als Schwäche zu betrachten, sondern diejenigen zu stützen, die Hilfe brauchen. Jetzt, knapp 740 Tage später, scheint diese Forderung längst verhallt. Der Fußballzirkus lief ungebremst weiter – bis zum vergangenen Samstagnachmittag, an dem Babak Rafati mit aufgeschnittenen Pulsadern in einem Kölner Hotelzimmer gefunden wurde.

Zwar soll der Zustand des nicht besonders beliebten Schiedsrichters mittlerweile stabil sein, doch bis er sich erklären kann oder überhaupt will, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern. Der Inhalt einer angeblich gefundenen Notiz ist bisher unbekannt. Die Aufgabe nach Erklärungen zu suchen haben derweil die Medien für ihn übernommen. Auch jetzt herrscht Konsens: Alles spricht dafür, dass der „korrekte, aber unbeliebte“ Referee dem Druck der Öffentlichkeit nicht standhalten konnte. Gleich dreimal wurde er in den letzten vier Jahren von den Bundesligaprofis bei einer Umfrage des Fachblatts Kicker zum schlechtesten Schiedsrichter des Jahres gewählt.  Auch seinen Platz unter den zehn deutschen Top-Schiedsrichtern auf der Fifa-Liste hatte er vor kurzem verloren.

Druck auf Schiedsrichter ungeheuer hoch

Wie belastend die Situation sein kann, erklärt Zwanziger in einer eigens einberufenen Pressekonferenz: „Der Druck auf unsere Schiedsrichter ist ungeheuer hoch und wir schaffen es einfach nicht, das in die richtige Balance zu bringen.“ Der einstige Schiri-Kollege Wolfgang Mierswa spricht derweil aus, was wahrscheinlich nicht wenige denken: „Ich hoffe, dass diesmal nicht, wie bald nach dem Tod von Robert Enke, wieder zur Tagesordnung übergegangen wird.“

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