Deutsch-Türkisch: Eine neue Form der Kommunikation

“Ich hab’ bir buçuk saat Sport gemacht” (Ich habe für eineinhalb Stunden trainiert). Oder: "Handy’mi evde unutmuşum" (Ich habe mein Handy zuhause vergessen) Sätze wie diese sind typisch für die dritte Generation junger Türken, die derzeit in Deutschland aufwachsen.

Die türkische Tageszeitung „Zaman“ hat in einem Beitrag das Sprachverhalten junger Türken, die gerade in der dritten Generation in Deutschland aufwachsen, unter die Lupe genommen. Die Mädchen und Jungen legen dabei ein ganz besonderes Muster an den Tag: Sie beginnen den Satz in einer, beenden ihn aber in der anderen Sprache. Diese Fähigkeit, so das Blatt weiter, hätten nicht viele Menschen.

Allerdings hat eine Zweisprachigkeit sowohl positve als auch negative Aspekte. Gerade das mischen von Deutsch und Türkisch in der Öffentlichkeit käme bei Außenstehenden manchmal nicht so gut an, da sie die türkischen Wörter eines Satzes in der Regel nicht verstünden, missbilligten sie eine solche Ausdrucksweise. Für die jungen Leute selbst verbinde sich mit dieser Mixtur allerdings ein ganzes Lebensgefühl, zeigt diese doch ihre eigene Ambivalenz in Bezug auf das Deutsche und das Türkische, aber auch hinsichtlich ihrer Identität und Kultur überdeutlich auf. Doch auch Defizite treten durch das so genannte „code-switching“ in Erscheinung: Einige Kinder und Jugendliche beherrschten weder die eine noch die andere Sprache richtig.

„code-switching“ offenbart sprachliche Schwächen

So ist die 19-jährige Kübra Tüfekçioğlu etwa der Meinung, dass dieses „code-switching“ daraus resultiert, dass die jungen Leute nicht in der Lage seien sich auszudrücken. Auch für sie selbst sei diese Technik eine Möglichkeit sich in einer Sprache Hilfe zu holen, wenn sie mit der andere Probleme habe. So können zum Beispiel mitten in einem türkischen Satz auch deutsche Wörter anstelle der entsprechenden türkischen Begriffe auftauchen. Der jeweilige Sprecher macht das ganz automatisch, wenn ihm das Äquivalent in der jeweils anderen Sprache gerade nicht einfällt. Doch Tüfekçioğlu  ist sich bewusst, diese Art zu kommunizieren offenbart eher sprachliche Schwäche als Überlegenheit. Sie selbst versucht es deshalb weitestgehend zu vermeiden. Nach den Vorteilen der Bilingualität gefragt, antwortet sie: „Die Integration von verschiedenen Kulturen ist nicht einfach. Integration durch Sprache ist eine Art von Privileg.“

Bilingual: Defizite in Deutsch und Türkisch

Auch die 21-jährige Tuba Zorlu hat Schwierigkeiten, wenn sie mit jemanden sprechen soll, der nicht wie sie selbst als Türke in Deutschland aufgewachsen ist. Denn in der Regel können andere türkische Freunde die deutschen Wörter, die sie in die türkischen Sätze mischt, nicht verstehen. In solchen Fällen benutzt sie Füllwörter oder lässt den betreffenden Begriff gleich ganz aus. In ihren Augen besteht die größte Herausforderung der Bilingualität in dem begrenzten Wortschatz, den die Sprecher in beiden Sprachen hätten. Das merkt sie sowohl wenn sie mit Deutschen spricht als auch wenn sie sich mit ihren Verwandten in der Türkei unterhalten möchte. Einen Vorteil sieht sie auf der anderen Seite jedoch im intensiveren Kennenlernen beider Kulturen. Und das auf völlig natürliche Weise und nicht in der Schule. In beiden Sprachen auf dem Laufenden zu bleiben empfindet die junge Frau als Herausforderung, die gerade für junge Leute auch zu einer großen Belastung werden könne. Schließlich müssen die sich nicht nur mit ihren deutschen Freuden austauschen können, sondern auch die Frage türkischer Verwandten vermeiden: „Was für ein türkischer Staatsbürger bist du?“

Sind zweisprachige Schulen die Lösung?

Laut Katarina Wagner vom Zentrum für Mehrsprachigkeit an der Universität Köln kann das „code-switching“ zu einem Nachteil werden, wenn es die jungen Menschen daran hindert sich in beiden Sprachen korrekt auszudrücken. Kinder, die mit beiden Sprachen aufwachsen, sollten daher größtmögliche Unterstützung erfahren, ihre Fähigkeiten in beiden Sprachen auszubilden. Und das so früh wie möglich. Sie rät zuhause Türkisch mit den Kleinen zu sprechen, sie aber auf der anderen Seite so früh wie möglich in den Kindergarten zu schicken. Ähnlich sieht das auch der Linguist Peter Auer. Für ihn bietet eine Zweisprachigkeit viele wunderbare Möglichkeiten. In beiden Sprachen gleich stark zu sein, hält auch er für machbar. Hierzu sei jedoch auch eine entsprechende Umgebung erforderlich, die es den Kindern erlaubt, beide zu trainieren. Er sieht die Lösung in zweisprachigen Schulen.

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