Neonazis: Türkei will keine Eskalation mit Deutschland

Ahmet Davutoğlu will aufgrund der Ermordung acht türkischer Bürger in Deutschland "rechtliche Schritte" einleiten. Für den türkischen Außenminister sind die Getöteten „Märtyrer“. Insgesamt aber hält sich die türkische Regierung zurück.

Der Begriff „Märtyrer“ wird in islamischen Ländern für im Kampf gefallene Soldaten verwendet. Davutoglu sagte: „Sie wurden getötet, weil sie die Identität hatten, die wir mit Ehre tragen. Sie wurden getötet, weil sie Türken waren.“

Der türkische Außenminister scheute bezüglich seiner Forderung nach Rechenschaft für die Morde nicht einen etwas martialisch anmutenden Vergleich. So habe man es geschafft, 25.000 türkische Arbeiter ohne Verlust eines Blutstropfens aus Libyen in Sicherheit zu bringen. Genauso werde die Türkei auch „die Rechnung für jeden Tropfen Blut“ eines in Deutschland getöteten Türken verlangen.

Der Ton ist zwar hart gewählt und zeigt, wie ernst die Türkei die Lage beurteilt, doch eine Eskalation der politischen Beziehungen zu Deutschland strebt die Türkei offenbar nicht an. Abgesehen von diesen Äußerungen Davutoglus verhielt sich die türkische Regierung in den vergangenen Tagen eher zurückhaltend. Am Freitag letzter Woche hatte sich Europaminister Egemen Bağış bei den deutschen Sicherheitsbehörden für die Aufdeckung der Zwickauer Terrorzelle bedankt und eine lückenlose Aufklärung gefordert. Immerhin aber warnte er vor der „Gefahr, dass der Kontinent zu einem Europa wird wie es 1930 war” und nahm dies zum Anlass zu betonen, dass ein EU-Beitritt der Türkei ein Mittel gegen Fremdenhass sein könne.

Auch beobachtet die Türkei sehr genau, was und wie in Deutschland über den Rechtsterrorismus debattiert wird. Die in dem zerstörten Wohnhaus des Zwickauer Neonazi-Trios gefundene Liste mit 88 Namen von Personen und Einrichtungen etwa fand besonders in den Medien große Beachtung, da auf dieser Liste auch das türkische Konsulat in München aufgeführt ist. Ermittler gehen davon aus, dass es sich um eine Art „Todesliste“ mit weiteren Anschlagzielen handeln könnte.

Konkret äußerte Davutoglu nicht, welche rechtlichen Schritte die Türkei nun beabsichtige zu unternehmen.

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