Neuer Internetfilter in der Türkei: Das Wort „Verbot“ ist verboten

Nach einer dreimonatigen Testperiode ist in der Türkei das neue Internetfilter-System freigeschaltet worden. 130 Suchbegriffe sind als „schädlich" eingestuft worden. Merkwürdigerweise ist das deutsche Wort „Verbot“ auch darunter.

Mehrere tausend Internetseiten sind in der Türkei seit langem wegen Erotik oder Pornographie gesperrt. Seit Dienstag gibt es einen neuen Internetfilter, der auch Seiten sperrt, welche das deutsche Wort „Verbot“ enthalten. 130 Suchbegriffe sind nach Angaben der türkischen Kommunikationsbehörde BTK (Bilgi Teknolojileri ve Iletisim Kurumu) als „schädlich“ eingestuft worden. Unter den verbotenen Suchwörtern sind die englischen Begriffe „porno“, „Sex“, „adult“, „Fetisch“, „escort“, „mature“ und „gay“, sowie die türkische Wörter für „nackt“, „heiß“, „Schwägerin“, „Stiefmutter“ und „Inzest“.

Nach dem, was die türkische Regierung ursprünglich vorhatte, ist der Filter allerdings fast als harmlos zu bezeichnen. Erst waren viel schärfere Maßnahmen geplant. Alle Nutzer sollten ab August eines von insgesamt vier Paketen mit Internetfiltern aussuchen. Neben den  zwei nun verfügbaren Kategorien „Kind“ und „Familie“ gab es noch „Standard“ und „Haushalt“. Doch war der Aufschrei im Netz und bei Protesten auf den Straßen („Hände weg von meinem Internet!“) so groß, dass man das Projekt schließlich aufgab.

Für November kündigte man eine arg abgespeckte Version an, wie sie nun vorliegt. Einige Menschen befürchteten, dass diese Regelung die Türkei zu einem der weltweit führenden Internetzensur-Länder machen und Verhältnisse wie in China etablieren würde. Geblieben sind „Kind“ und „Familie“. Die Verwendung des Filters ist allerdings freiwillig. Er muss von einer entsprechenden Webseite herunterladen werden. Alle anderen können im Internet surfen wie zuvor.

Auch Schwierigkeiten bei Zugriff auf Facebook

Nach ersten Reaktionen verursacht das neue Internetfilter-System, das Kinder und Jugendliche vor schädlichen pornographischen, aber auch „separatistischer Propaganda“ der PKK im Internet schützen soll, Probleme für einige Nutzer. So gebe es Schwierigkeiten beim Zugriff auf bestimmte Websites, obwohl diese nicht als schädlich angesehen werden – etwa Shopping-Websites, Websites für Witze und sogar Facebook sei teilweise blockiert. Ähnliches war bereits für den englischen Begriff „dick“ bekannt, der im umgangssprachlichen Gebrauch einerseits für das männliche Geschlechtsorgan steht, andererseits aber auch im Namen des einstigen US-Vizepräsidenten „Dick Cheney“ enthalten ist oder im Deutschen bekanntlich für Wohlgenährte steht.

Nach Erkenntnissen der Organisation Reporter ohne Grenzen könnten mehr als 7.000 Web-Portale betroffen sein, die entweder komplett gesperrt oder stark eingeschränkt sind. Unterdessen äußerte die Ministerin für Familie und Soziales Fatma Şahin Unterstützung für das neue Internetfilter-System. Alle Eltern sollten das neue System nutzen, wenn sie ihre Kinder vor den Gefahren des Internets schützen wollen. Nach Angaben der BTK haben über 7.000 User das System am ersten Tag  bereits angewendet.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.