Türkischer Vater klagt an: Breivik ist nicht verrückt!

Der Vater der 19-jährigen Gizem Doğan, die Ende Juli bei dem Amoklauf in Norwegen ihr Leben verlor, erklärte, dass er nicht an eine Unzurechnungsfähigkeit des Täters glaube. Diese wurde Anders Behring Breivik kürzlich von zwei Rechtspsychiatern bescheinigt. Auch der 32-jährige Täter lehnt das Gutachten ab.

Die 19-jährige Gizem Doğan hatte sich am 22. Juli gemeinsam mit vielen anderen Jugendlichen auf der Ferieninsel Utoya aufgehalten. Sie starb gemeinsam mit fast 70 anderen Menschen. Als Abdulkadir Doğan von der Einschätzung der Rechtspsychiater erfuhr und ihm dadurch sogar eine Gefängnisstrafe erspart bleiben und er stattdessen auf unbestimmte Zeit in eine Anstalt verlegt werden könnte, war er außer sich.

Gutachten soll Images Norwegens aufrechterhalten

„Ich war schockiert“, zitieren ihn türkische Medien. „Eine solche Entscheidung passt nicht zu einem Land wie Norwegen.“ Mit seiner Empörung ist Doğan derzeit offenbar nicht allein. Politiker, Angehörige der Opfer als auch Medien und sogar Experten hinterfragen das Gutachten derzeit kritisch. Nicht wenige fürchten, dass die Einschätzung der beiden Psychiater auf Kosten der Gerechtigkeit gehen könnte. Breivik selbst machte in einer Erklärung deutlich, dass er das Papier als Beleidigung empfinde.

Wie viele andere auch weigert sich Abdulkadir Doğan die Entscheidung zu aktzeptieren: „Wir können eine solche Entscheidung absolut nicht gutheißen. Dieser Mann ist nicht verrückt. Wenn man sich den Vorfall betrachtet, dann sehe man, dass der Plan und das Projekt schon vor langer Zeit gemacht wurden.“ Doğan ist überzeugt, dass der Bericht ein Versuch sei, das Image Norwegens zu schützen. Seiner Meinung nach wäre das Gutachten anders ausgefallen, wenn der Täter ein Ausländer gewesen wäre. „Wäre Breivik Asiate und nicht Norweger gewesen, dann glaube ich nicht, dass man zu dem gleichen Ergebnis gekommen wäre. Al Qaida-Boss Osama bin Laden wurde auch nicht als schizophren, sondern als ‚muslimischer Terrorist‘ bezeichnet.“ Doğan selbst ist entschlossen weiter für Gerechtigkeit zu kämpfen. Breivik so schließt er, habe ihm sein Leben genommen. Würde dieser Mann ungestraft davon kommen, so seine Einschätzung, würde das die Türen für weitere terroristische Attacken öffnen.

Davutoglu appellierte an die Freundschaft mit Norwegen

Die Anschläge von Oslo und Utoya schockierten die Menschen weltweit. Nachdem Gizem Doğan zunächst als vermisst galt, wurde schnell klar: Auch das junge Mädchen fiel ihm zum Opfer. Bei der Beerdigung Anfang August waren auch der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu und der stellvertretende Ministerpräsident Bekir Bozdag unter den Trauergästen. Beide sprachen der Familie ihr tiefes Beileid aus. In seiner Rede unterstrich Davutoglu welch teurer Freund Norwegen für die Türkei sei. Die beiden Länder hätten, so der Außenminister bei einigen Menschenrechts-Angelegenheiten zusammen gearbeitet.

“Mit dem Gedenken an Gizem wird eine noch stärkere Bruderschaft zwischen den Menschen in Norwegen und denen in der Türkei bestehen. Das wird auf ewig halten”, so Davutoglu. In Norwegen lebenden Türken riet er nach dem Vorfall, die Bande mit ihren norwegischen Nachbarn nachhaltig zu stärken. Den Eltern von Gizem sagte er, von nun an sei sie nicht mehr nur ihre Tochter, sondern “das Symbol eines gemeinsamen Verständnisses von Menschlichkeit. Gizem hat uns allen eine Lektion erteilt. Sie hat uns beigebracht, den Menschen, die sie umgebracht haben nicht zu erlauben, eine solche Welt zu verwirklichen, wie sie es sich vorgestellt haben.”

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