„Der Führer der arabischen Welt ist Ägypten – nicht die Türkei“

Türkische und arabische Intellektuelle diskutieren über die Rolle der Türkei nach dem Arabischen Frühling. Die Aussagen des israelischen Historikers Ehud Toledo sorgen für Kontroversen.

Arabische und türkische Intellektuelle diskutierten gemeinsam die neue Rolle der Türkei nach dem arabischen Frühling. Das Treffen findet in Gaziantep statt, der türkischen Grenzstadt zu Syrien, das in letzter Zeit das bestimmte Auftreten der türkischen Außenpolitik häufig herausgefordert hat.

Es ist das 25. Treffen, das die Zirve-Universität im Rahmen der Abant-Plattform organisiert hat. Dieses Mal hatten die Teilnehmer die seltene Gelegenheit, die politische Entwicklung und die mögliche Rolle der Türkei in Zeiten der politischen Unruhe zu diskutieren. An dem drei Tage dauernden Treffen nehmen Intellektuelle aus der ganzen Welt, arabische und türkische Kommentatoren, Aktivisten und Professoren teil. Der Fokus der Diskussionen liegt dabei auf der Frage, wie die Übergangsperiode in den arabischen Ländern nach der Revolution vereinfacht werden kann und welche Rolle die Türkei bei der Bildung von demokratischen Systemen spielt.

Türkei setzt ihr Verhältnis  zu den Staaten auf Spiel

Einerseits lobten die Teilnehmer die türkische Außenpolitik dafür, bestimmt gegen die arabischen Herrscher vorzugehen, nachdem diese Forderungen nach Reformen ignoriert hatten. Damit setzte die Türkei gleichzeitig ihr Verhältnis  zu den Staaten auf Spiel. Andererseits aber waren sich die Teilnehmer einig, dass diese Haltung auf lange Sicht eher schadet als nutzt.

„Die Türkei hatte eine marginale Rolle während der arabischen Revolution. Sicherlich ist sie eine einflussreiche Macht, aber sie sollte nicht führen“, zitiert die Zaman den Journalisten Mehmet Ali Birand. Während die Türkei in den ersten Tagen der arabischen Revolution noch keinen eigenen Kurs hatte, definierte sie schnell ihre Position, so dass sie dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad schließlich nahegelegte, zurückzutreten.

Die Türkei pflegte die guten Beziehungen mit ihren arabischen Staaten, die sie lange ignoriert hatte. Das führte dazu, dass Visa-Regelungen aufgehoben, neue Allianzen geschaffen und Freihandelsabkommen mit arabischen Staaten geschlossen wurden. Immer wieder gefährdeten die Unruhen in den arabischen Staaten jedoch die Beziehungen. Obwohl die Türkei immer wieder sagte, sie toleriere nicht die Ermordung der Bevölkerung durch die Herrscher, erklären Beobachter, Worte und Taten der Türkei wären nicht immer auf derselben Linie.

„Zivilisierter Dialog“ zwischen Türkei und Israel

Ehud Toledo, Professor in Tel Aviv, begrüßte die „realistischere und pragmatischere“ Außenpolitik der Türkei, nachdem die Türkei merkte, sie sei auf der der falschen Seite der Geschichte während der ersten Tage der arabischen Revolution, so Toledano. Während er sich für einen „zivilisierten Dialog“ zwischen der Türkei und Israel aussprach, machte er jedoch deutlich: „Der Führer der arabischen Welt ist Ägypten – nicht die Türkei“, so der Nachrichtensender ntv.

Ein Diskussionspunkt war, inwiefern die Türkei als politisches Vorbild oder als Inspiration dienen kann. Birand und İhsan Dağı, Professor an der Middle East Technical University (ODTÜ) warnten davor, das türkische Modell zu übernehmen, in dem das Militär sich versucht, innerhalb des politischen Systems zu positionieren. Dabei bezogen sie sich auf das ägyptische Militär, das nicht bereit ist, seine Privilegien in einem neuen, demokratischen Ägypten aufzugeben.

Im Verlauf der Konferenz rückte das Thema Israel immer mehr in den Mittelpunkt. „Ich verstehe nicht, wie die arabischen Staaten, die sich um Freiheit, Demokratie, Frauen- und Minderheitenrechte streiten, so besessen sind von einem kleinen Land wie Israel“, fragte Dror Zweevi von der Ben Gurium Universität rhetorisch. Yılmaz antwortete daraufhin scharf: „Um Himmels Willen, jeder weiß, was die Araber in der Region aufgrund der isralischen Politik erleiden mussten.“

Peter Bechtold von der amerikanischen Portland State Universität sagte: „Die USA müssen sich jetzt entscheiden zwischen der ganzen Region auf der einen und Israel auf der anderen Seite“.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.