Freihandelsabkommen: Türkei ignoriert Syriens Aufhebung

Schlechte Handelsbeziehungen schaden Syrien mehr als der Türkei. Doch in Damaskus stellt man sich stur und die Türkei sucht nach neuen Handelswegen, um Syrien zu umgehen.

Die Türkei weist eine Entscheidung von Syrien zurück, das Freihandelsabkommen zwischen den beiden Ländern zu streichen. Syrien reagiert damit für die von Ankara auferlegten Sanktionen. Damaskus solle seinen „gesunden Menschenverstand“ benutzen, schließlich würden vor allem die syrische Bevölkerung und Unternehmen darunter leiden, so die Stellungnahme aus Ankara, wie die Tageszeitung Zaman mitteilt.

Das Parlament des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad hatte am vergangenen Wochenende dafür gestimmt, das 2007 mit der Türkei getroffene Abkommen aufzuheben und von 30 Prozent auf alle türkischen Importprodukte und prohibitive Waren und Öl zu erheben.

Wie die die syrische Nachrichtenagentur SANA mitteilte, folgten diese Maßnahmen auf die Sanktionen der Türkei. Ankara hingegen teilte mit, dass die Wirtschaftssanktionen der Türkei die syrische Regierung betreffen. Sie sollte dazu gebracht werden, anders mit den seit neun Monaten andauernden Aufständen der Bevölkerung umzugehen.

Der türkische Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan sagte, Ankara habe bislang kein offizielles Schreiben von der syrischen Regierung erhalten. Die Entscheidung wäre eine Strafe für die syrische Bevölkerung durch die Regierung und diejenigen, die sie beeinflussen. „Die syrische Administration bestraft ihre eigenen Leute, Industriekaufleute, Exporteure und Unternehmer“, zitiert Zaman den Wirtschaftsminister.

Er fährt fort: „Das was die Türkei dieses Jahr an (dem verringerten) Export nach Syrien verloren haben wird, ist so viel wie der weltweite Export an einem einzigen Tag. In anderen Worten: das ist eine Zahl, die ignoriert werden kann.“

Größter Handelspartner

Der bilaterale Handel zwischen Syrien und der Türkei im vergangenen Jahr bracht 2,5 Milliarden US Dollar ein. Davon waren knapp zwei Millionen türkischer Export nach Syrien. Dieser macht nur 1.6 Prozent des Gesamtexports der Türkei aus.

Syrien andererseits erhielt mehr als zehn Prozent seines Imports von der Türkei und der Export nach Ankara machte fünf Prozent seines Gesamtexports aus. Çağlayan sagte, die Importe aus Syrien machen 0.3 Prozent der Gesamtimporte der Türkei aus.

Außerdem sagte Çağlayan, die Exporte nach Syrien hätten in den ersten neun Monaten von 2011 um vier Prozent zugenommen, die Zahlen von Oktober und November allerdings zeigten einen Rückgang von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Grund war, dass die zunehmende Gewalt im Land türkische Firmen abgeschreckt hat.

Außerdem sieht sich die Türkei nach neuen Handelsrouten in den Mittleren Osten um. Damit will sie Syrien umgehen.

Die Türkei war einst einer der engsten Verbündeten von Syrien in der Region, der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte ein enges Verhältnis zu Assad aufgebaut.

Doch die Gewalt nahm zu und Assad ignoriert Erdoğans Ratschlag Reformen einzuführen, so dass die Beziehung immer schlechter wurde. Zuletzt hatte Erdoğan Assad nahe gelegt, zurückzutreten.

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