Muslimbrüder: Türkei ist unser Vorbild

Die Muslimbruderschaft wehrt sich gegen das rückständige Bild, das der Westen von ihr hat. Saudi-Arabien, der Iran oder Afghanistan seien kein Vorbild für Ägypten. Das türkische System sei da geeigneter.

„Es ist ein großes Missverständnis, dass Frauen in der Muslimbruderschaft an den Rand gedrängt werden. 50 Prozent der Muslimbrüder sind Frauen“, sagt die 24-Jährige Sondos Asem im Gespräch mit dem Journalisten Nicholas D. Kristof, der New York Times. Er ist überrascht, als er die junge hübsche Frau sieht, die so gar nicht dem westlichen Stereotyp des Muslimbruders entspricht. Sie hat an der American University in Kairo studiert, schreibt ihren Master über soziale Medien. Ihre Mutter Manal Abul Hassan ist eine der Wahlkandidatinnen für die Partei.

Nach dem Sturz des Diktators Husni Mubarak hoffte der Westen auf mehr Demokratie im Land. Die erste Freude ist abgeklungen und nun wächst die Angst vor den Islamisten. In Saudi-Arabien, dem Iran und Afghanistan werden Frauen im Namen des Islams unterdrückt. Ägypten könnte sich auf demselben Weg befinden. Nach bisherigen Ergebnissen der Parlamentswahlen haben die Muslimbrüder mit ihrer Partei „Freiheit und Gerechtigkeit“ mit über 40 Prozent die Mehrheit erlangt. Mit mehr als 20 Prozent sind die Salafisten, mit ihrer radikal-islamistische Nur-Partei, die zweitstärkste Kraft im Parlament.

Ägypten nicht mit Iran, Saudi-Arabien oder Afghanistan vergleichbar

„Ich denke nicht, dass man Ägypten mit Saudi-Arabien, dem Iran oder Afghanistan vergleichen kann“, meint Sondos. „Wir Ägypter sind gemäßigt religiös“, sagt sie. Die Türkei sei ein geeigneteres Modell für Ägypten. Hier stehe eine islamische Partei für den wirtschaftlichen Aufschwung.

Das möchten die Muslimbrüder auch erreichen. Die ägyptische Bevölkerung sorge sich um die wirtschaftliche Lage. „Sie wollen das Wirtschaftssystem reformieren, sie wollen Arbeitsplätze und sie wollen die Korruption beenden“, so Sondos weiter.

Israel: Islamisierung der arabischen Welt ist beunruhigend

Sondos sieht die Lösung der Probleme zudem in der Bildung. Analphabetismus, Armut und Bildungslücken müsse die Regierung angehen. So werde sich auch die Lage der Frauen verbessern. Alles schöne Worte, die viel Zustimmung in der Bevölkerung erhalten. Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte im israelischen Fernsehen am Samstag: „Der Prozess der Islamisierung in den arabischen Ländern ist sehr beunruhigend.“ Die Kräfte im Parlament sind unausgeglichen, das liegt auf der Hand.

In den 40er Jahren radikalisierten sich Gruppen der Muslimbrüder. Es bildete sich der militärische Arm „Geheimer Apparat“, der Anschläge auf Juden verübt haben soll. Offiziell lehnte die Bruderschaft Gewalt immer ab. Da sie bis zum Sturz Mubaraks verboten blieben, ist es schwer die jetzige Gewaltbereitschaft einzuschätzen. Eine skeptische Haltung ist demnach nicht unberechtigt.

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