„Ecumeopolis“: Film offenbart Schattenseite des Wachstums von Istanbul

Die Millionenstadt wächst immer weiter. Damit die Stadt zum Finanzzentrum der Türkei wird und im globalen Wettbewerb mithalten kann, müssen Umwelt und Einwohner einen hohen Preis bezahlen. Der Regisseur İmre Azem beleuchtet die dunkle Seite des unkontrollierten Wachstums der Metropole.

Der deutsch-türkische Dokumentarfilm „Ecumenopolis: City without Limits“ unter der Regie von İmre Azem stellt die Zukunft von Istanbul in Frage. Dabei betrachtet er die schnelle urbane Transformation der Stadt und die neuen städtischen Projekte, die für das Jahr 2012 geplant sind.

Der Film untersucht die ökologischen, demographischen und wirtschaftlichen Grenzen im Hinblick auf den städtischen Wachstum und dem Druck, eine globale Stadt zu werden. In dem Film kommen Architekten, Städteplaner, Umweltingenieure, Ökonomen und Soziologen zu Wort. Die Frage, die der Film stellt, ist: erreicht Istanbuls Wachstum jemals sein Ende? Gibt es eine alternative Entwicklungsstrategie, die gegenüber ihren Einwohnern und ihrer traditionellen Struktur  freundlicher ist?

Die Idee einer „Ecumeopolis“ geht zurück auf den griechischen Architekten und Städteplaner Constantios Doxiadis aus dem Jahr 1967. Er hatte die Idee, dass urbane Räume und Megapolises der Welt zu einer riesigen Stadt zusammenwachsen.

Der bekannte türkische Architekt und Städteplaner Ahmed Vefik Alp war der erste, der das Konzept einer „Ecumenopolis“ im türkischen Kontext verwendetet. Für ihn ist Istanbul eine „Alptraum-Stadt“, eine „von einem Krebsgeschwür befallene Stadt“. In einem Interview mit der Tageszeitung Zaman sagt er, dass die Verwaltung der Stadt in ökologischer als auch in historischer Hinsicht schadet. Er ruft die Verwaltung dazu auf, ein weiteres Bevölkerungswachstum zu stoppen und empfiehlt, das Wirtschaftswachstum in entlegeneren Provinzen zu fördern.

Barbaros Gönençgil, Vorsitzender der türkischen Gesellschaft zum Schutz der Umwelt und der Wälder (TÜRÇEK) sieht hingegen die „Lungen“ der Stadt, die Grünflächen gefährdet. Auch das Projekt der dritten Bosporus-Brücke, das Ende 2011 beginnen soll, droht die letzten Grünflächen der Stadt zu zerstören.

Murat Cemal Yalçıntan, Städteplaner an der Mimar Sinan Universität in Istanbul verweist darauf, dass die Administration der Stadt ein neoliberales Wachstumsmodell verfolgt. Ziel ist, ausländische Investitionen zu locken und Istanbul zur finanziellen Hauptstadt der Türkei zu machen.

Vor den Wahlen im Juni 2011 hatte Premierminister Erdoğan das Projekt „Kanal Istanbul“ vorgestellt, das unter anderem eine künstliche Verbindung zwischen dem Schwarzen Meer und dem Marmara-Meer vorsah. Allerdings stieß das Projekt auf starken Widerstand. Schnell wurden Stimmen laut, die – auch im Hinblick auf die unterschiedlichen Ökosysteme der zwei Meere – sagten: ein solches Projekt käme einem Selbstmord von Istanbul gleich.

Der Film zeigt Migranten-Familien, deren Häuser zerstört werden und die um eine Unterkunft kämpfen müssen, stellt die Dächer der Hochhäuser und die unterirdischen Tunnel da, besucht die Wohnungen der Armen und die Villen der Reichen.

Der Film wurde auf verschiedenen Festivals wie z.B. auf dem Filmfest in Hamburg gezeigt. Bald wird er in die Kinos kommen.

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