„70% aller Medikamente in der Türkei werden unnötiger Weise verschrieben“

Patienten und Ärzte gehen unverantwortlich mit Medikamenten um – so Gürel, Dekan der Medizinischen Fakultät der Ordu Universität. Eine Behörde zur Prüfung der Medikamentensicherheit muss her.

Hulusi Gürel, Dekan der Medizinischen Fakultät der Ordu Universität weist darauf hin, dass in der Türkei viele Medikamente unnötiger Weise konsumiert werden. Er ruft dazu auf, die nötigen Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Besondere Verantwortung tragen, so Gürel, die leitenden Ärzte: „Als Arzt stört mich sehr, dass Medikamente einfach verschwendet werden. Ich denke, dass 70% der Medikamente unnötiger Weise eingenommen werden. Wir sehen, dass besonders in Europa viel weniger Medikamente verschrieben werden. Das fällt gerade bei Antibiotika und Schmerzmitteln auf“, so Gürel gegenüber dem Nachrichtensender ntv. Allerdings seien auch nicht die Ärzte alleine dafür verantwortlich, dass die Situation in der Türkei eine andere ist. „Auch unsere Patienten haben sich an diese Situation gewöhnt“.

Eine erhöhte Aufmerksamkeit richte sich seit einiger Zeit an solche Medikamente, die nachgewiesener Maßen lebensbedrohlich sind und nun vom Markt genommen werden.

Gürel fordert eine Behörde, die die Sicherheit der Medikamente in der Türkei überprüft. „Wir wissen, dass weltweit Menschen an Schmerzmitteln gestorben sind. Wie hoch aber diese Zahlen in der Türkei sind, wissen wir nicht. Ein Medikament, das beispielsweise von der amerikanischen Arzneimittel und Lebensmittelkommission nicht zugelassen wurde, kann man aber sehr wohl hier bei uns kaufen.“

Einfluss der Pharma-Unternehmen muss verringert werden

Gürel forderte außerdem, dass mehr Aufklärung in der Gesellschaft in diesem Bereich betrieben wird. Er unterstreicht, dass die Pharma-Unternehmen einen großen Einfluss auf die Ärzte ausüben. Es müssen also Regelungen her, die die Ärzte aus der Abhängigkeit von den Pharma-Unternehmen befreien. Dem fügte er hinzu: „Ein Gesundheitsministerium, das Beziehungen zu den Medikamenten-Firmen hat, kann auch nicht neutral sein. Das gleiche gilt für eine Kommission oder einen Arzt.“ Ein Problem sei auch, dass derzeit wissenschaftliche Veranstaltungen von Pharmaunternehmen gesponsert werden. Solange diese persönlichen Beziehungen nicht aufgelöst werden, werden auch die Ausnutzung und der verschwenderische, unnötige Verbrauch kein Ende nehmen.

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