Feridun Zaimoglus „Ruß“: Eine Ruhrpott-Geschichte über Rache und Vergeltung

Feridun Zaimoğlu liest nicht aus seinem neuen Buch „Ruß“, er performt. Seine Romanheld Renz kommt aus einer Arbeiterfamilie und hat viel durchgemacht. Doch die Gefühle, um die es geht, beschäftigen uns alle. „Wir könnten alle Renz sein“, sagt Zaimoğlu im Interview mit den Deutsch Türkischen Nachrichten.

Er holt tief Luft, alle warten gespannt und nach einer gefühlten Ewigkeit beginnt er endlich zu lesen. Mit Feridun Zaimoğlu hat die Person plötzlich nicht mehr viel zu tun. Renz sitzt vor uns und erzählt aus seinem Leben – Ein Mann der den Tod seiner Frau nie ganz verarbeiten konnte. „Das ist nicht schwer“ sagt Zaimoğlu später im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. „In uns allen steckt ein Renz“. Die Geschichte zum Buch sei ihm beiläufig, während eines Gesprächs mit Freunden gekommen. „Wir hatten einen Bericht über einen Vergewaltiger in der Zeitung gelesen und unterhielten uns darüber, was wir mit diesem Menschen machen würden. Natürlich versuchten wir uns gegenseitig zu überbieten“, sagt Zaimoğlu.

Später sei ihm aufgefallen wie lächerlich dieses Gespräch war: „Wir waren richtige Sprücheklopfer“. Er befasste sich mit dem Gedanken, wie es sei, wirklich in so einer Lage zu sein – und die Idee zum Buch entstand. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, das sei bei allen der innere Wunsch, wenn es um Gewalttaten gehe. In „Ruß“ befindet sich Renz genau in dieser Situation. Er hat die Chance dem Mörder seiner Frau zu begegnen und steht plötzlich vor einem inneren Konflikt.

Der Autor, der mit den Büchern „Kanak Sprak“ und „Leyla“ berühmt wurde, begibt sich augenscheinlich auf ein neues Terrain. Der Inhalt seines Buches wird in Rezensionen als „überraschend“ beschrieben. Um ein neues Thema handelt es sich nicht. Er schildert die Geschichten von Außenseitern, in diesem Falle der Sohn einer Arbeiterfamilie, dessen Kindheit traumatisch ist. Die Leser begeben sich auf eine merkwürdige Reise mit Renz, die erschreckt, anwidert – wenn Renz jeden morgen ein wenig von der Asche seiner toten Frau zu sich nimmt – und belustigt. Für einige ist eher ein anderer Aspekt überraschend: Es taucht kein einziger Türke im Buch auf.

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