Die Wahrheit: Iraner lieben die Türkei!

Es gab viel Theaterdonner in den vergangenen Wochen. Doch die Attacken der iranischen Führung gegen die Türken dienen vor allem dem Zwecke, die eigene Opposition in Schach zu halten.

Der Iran versucht die Türkei mit den andauernden Angriffsdrohungen zu spalten. Die Karten werden neu gemischt und die Türkei steht in der Region im Vordergrund, erklärt die deutsch-iranische Journalisten Forough Hossein Pour im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten.

„Das türkische Staats-Modell ist in den Ländern des arabischen Frühlings angesehen, das stört den Iran“, meint Hossein Pour. Der Revolutionsführer Ayatollah Khomeini wolle eigentlich die iranische Revolution exportieren. Das theologische System des Iran sollte in den arabischen Ländern eingeführt werden, so der Wunsch des Ayatollah.

Nun stellt sich jedoch heraus, dass viele arabische Staaten das türkische Modell eines „Islam-light“ besser finden als den Hardliner-Kurs von Teheran. Und so sind „aus einstigen Freunden jetzt Konkurrenten geworden“, sagt Hossein Pour. Mit der Popularität der Türkei kann der Iran offensichtlich nicht mithalten. Ahmadinedschad ist weit entfernt von Erdogans Rockstar-Image in der arabischen Welt. Die Regierung versuche deshalb, die Türkei von innen heraus zu schwächen.

Diese Strategie beinhalte zwei Ziele: „Die Reden der Revolutionsgarde beziehen sich eigentlich nicht auf die türkische Regierung, sondern das türkische Volk ist gemeint“, sagt Hossein Pour. Der Iran hatte wiederholt geäußert, die Türkei angreifen zu wollen. Grund dafür war die Stationierung eines NATO-Abwehrschilds. Die Türkei sei damit zum Handlanger der USA und Israels geworden. Der Iran glaubt an eine Verschwörung. Im Fall eines israelischen Erstschlags, solle das Schild einen Gegenangriff des Irans verhindern. Vertreter der Revolutionsgarde betonten, sie seien sich sicher, das türkische Volk sei schlau genug, um zu erkennen, das hinter den Aktivitäten der Regierung Israel stecke. Damit hatte der Iran auch Erfolg“, bemerkt Hossein Pour. Oppositionelle warfen der Regierung Erdogan vor, scheinheilig zu handeln und sorgten für viel Kritik an der Regierung im Land. Die Anti-Israel Politik der vergangenen Monate sei nur vorgespielt.

Ein weiterer Effekt der andauernden Kriegsdrohungen ist die Stärkung des Regimes im eigenen Land. Hossein Pour: „So kann die Regierung ihre Repressalien gegen die iranische Opposition weiter fortsetzen. Nach dem Motto ‚wir müssen uns jetzt gegen die ausländischen Feinde zusammentun‘.“ So versucht das Regime, die öffentlichen Proteste im Keim zu ersticken.

Die Iraner selbst sind von der künstlich aufgebauten „Rivalität“ nicht sehr beeindruckt.  Die Türkei ist im Iran sehr beliebt, besonders als Urlaubsziel. „Jährlich machen rund 150.000 Iraner allein in der Region Antalya Urlaub“, sagt Hossein Pour: „Sie benötigen kein Visum für die Türkei und bewundern es dafür, dass es ein muslimisches Land ist, in dem trotzdem jeder so leben kann wie er will.“ Die maßlose Unterdrückung im eigenen Land führe dazu, dass Iraner es im Türkei-Urlaub auch mal übertreiben, meint sie. Das gehe soweit, dass sie sich sogar manchmal für ihre Landsleute schäme, sagt sie mit einem Lächeln. „Sie können in der Türkei eben genießen, was sie in ihrem eigenen Land nicht können“, unterstreicht sie.

 Atomprogramm: Der Westen soll sich auf Menschenrechte konzentrieren!

Hossein Pour meint, die Sanktionen, die viele Länder gegen den Iran verhängen, können nicht die gewünschte Wirkung erzielen. „Für den Iran bleibt immer ein Schlupfwinkel“ und sie betont: „Die Sanktionen können nicht viel bewirken, solange China und Russland sich bei den Resolutionen ständig enthalten, und ein militärischer Angriff wäre der absolute Wahnsinn für alle Beteiligten!“ Die ganzen Drohungen seien eher ein „Nervenkrieg“, glaubt sie. Politische Sanktionen seien zwar wichtig. Steigende Preise, eingeschränkter Luftverkehr – unter der derzeitigen Situation leide nur die Bevölkerung. Die Verletzung der Menschenrechte sei die größte Bedrohung im Iran. „Stattdessen hielt man an dem ewigen Atom-Streit fest und jetzt die schärferen Sanktionen. Eine Sackgasse, wie ich finde. Besser wäre, wenn die westliche Politik sich die katastrophalen Menscherechtssituation im Iran auf ihren Agenda geschrieben hätte. So hätte man sowohl mehr bewegt, vor allem mehr für das iranische Volk erreicht!“

Syrien sei für den Iran aus geostrategischen Gründen sehr wichtig. Das sei auch der eigentliche Grund für die wachsende Spannung zwischen der Türkei und dem Iran.  „Durch Syrien kann der Iran die Hisbollah im Libanon unterstützen. Durch Syrien kann der Iran die Hamas unterstützen. Es ist eine Schlüsselposition in der Region.“ Die Türkei habe sich von Syrien abgewendet. Der Iran werde dagegen im Zweifelsfall immer zu Syrien halten – solange das Land als Vorposten im Terror gegen Israel zu instrumentalisieren ist.

Hossein Pour: Unterdrückung konnte Emanzipation der Frauen nicht stoppen

Die Unterdrückung der Frau habe einen interessanten Effekt im Land gehabt. Dadurch, dass die Verschleierung gesetzlich vorgeschrieben wurde, habe sich plötzlich auch religiöse Frauen für das Thema Emanzipation interessiert. Hossein Pour: „Vielen religiöse Familien eröffnete sich durch diese Entscheidung erstmals die Möglichkeit, Frauen am öffentlichen Leben teilhaben zu lassen. Sie ließen beispielsweise ihre Töchter studieren. Damit waren auch religiöse Frauen plötzlich mit Problemen konfrontiert, die sie vorher nicht berührt haben.“

Und so drangen verschiedene gesellschaftliche Probleme ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit. Parlamentarierinnen beispielweise müssen eine schriftliche Erlaubnis ihrer Ehemänner vorweisen, um reisen zu können. Dies empfinde jede  Frau – ob religiös oder nicht – als Zumutung. So hätte die Frauen begonnen, gemeinsam für ihre Rechte zu kämpfen, sagt Hossein Pour. „Die Emanzipationspalette ist jetzt viel breiter“, betont sie. Die Frauenbewegungen kämpfen nun gemeinsam dafür, dass der Islam nicht instrumentalisiert werden dürfe und auch das Kopftuch dürfe nicht benutzt werden, um es zu einem Mittel der Unterdrückung zu machen.

 

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