Mor Gabriel Kloster: Christen in Mardin in Aufruhr

Eines der ältesten christlichen Klöster der Welt wird behandelt wie alles andere als ein Kulturerbe. Die zugezogene Bevölkerung sagt: „Es nimmt uns unser Land“. Ob der europäische Gerichtshof etwas bewirken kann?

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Syrisch-orthodoxe Christen in der Türkei und im Ausland sorgen sich um die Zukunft des Klosters Mor Gabriel (Heiliger Gabriel) in der südostanatolischen Provinz Mardin. Das Kloster ist 1.700 Jahre alt und hat seit Jahrzehnten mit der Enteignung seines Grundstücks zu kämpfen. „Das Gerichtsverfahren wird der Öffentlichkeit so präsentiert, als handele es sich dabei bloß um eine Anklage der Dorfbewohner. In Wirklichkeit aber ist es zu einem Politikum geworden“, zitiert die Tageszeitung Hürriyet den Leiter der Syrisch-Orthodoxen Föderation, Evgil Türker.

Zurzeit gäbe es fünf Anklagen gegen das Kloster. Diese wurden vom Ministerium für Forstwirtschaft und Wasser, von dem Katasteramt für Landregistrierung, vom Finanzamt gegen die Verwaltung der Stiftung des Klosters erhoben. Dazu käme der aktuelle Gerichtsverfahren, das nicht so sehr von den Dorfbewohnern, sondern vielmehr von den umliegenden Gemeinden unterstützt wird.

Die aktuelle Anklage gegen das Kloster, auf alt-syrisch „Deyrulumur“, wurde 2008 erhoben. Die nächste Anhörung soll am 10. Januar in Midyat, einem Distrikt von Mardin stattfinden.

„Wir wurden enteignet. Ländereien, die uns Jahrtausende lang gehörten, wurden uns weggenommen. Wir wollten, dass das Gerichtsverfahren abgeschlossen wird, aber ohne Erfolg“, so Türker. Sie könnten sich nicht leisten, ein Gerichtsverfahren einzuleiten, um Tausende von Hektar an enteignetem Land zurückzuverlangen. Die Angst und die finanziellen Einbußen seien zu hoch, fügt er hinzu.

Nach Angaben des Ministeriums für Forstwirtschaft handelt es sich bei dem Land um Wald, so Türker. Vertreter der syrisch-orthodoxen Gemeinde hätten den Fall vor den Europäischen Gerichtshof gebracht, doch die erste Sitzung wurde noch nicht abgehalten.

Immer mehr Menschen siedelten in dem Gebiet um das Kloster an, so dass es bald von Gemeinden umgeben war. Die Bewohner der Ortschaften Yayvantepe, Çandarlı and Eğlence klagten schließlich das Kloster an, es würde ihr Land besetzen.

„Mit diesen Gerichtsverfahren wird unsere Heiligkeit verletzt. Was Jerusalem für die christliche Welt bedeutet, ist Mor Gabriel für die Syrisch-Orthodoxen“, zitiert Hürriyet den Leiter der türkischen Abteilung des Europäischen Syrisch-Orthodoxen Union, Tuma Çelik.

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