Schutz vor Ehrenmord: Uneheliches muslimisches Baby muss adoptiert werden

Ein unehelich geborenes Mädchen muss, so verfügte am vergangenen Mittwoch ein Gericht in London, adoptiert werden, um sie so vor einem grausamen Ehrenmord zu retten. Die Mutter der Kleinen hatte sie aus Angst vor ihrem Vater bereits kurz nach der Geburt in der Obhut von Krankenschwestern gelassen.

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Die drei vorsitzenden Richter, so berichtet das britische Boulevardblatt „Sun„, seien sich einig: würde der Vater der unverheirateten Muslimin von dem Baby erfahren, würde er eine „unvorstellbare Schande“ empfinden. Das Ganze könnte, so befürchten sie, in einem grausamen Blutbad enden bei der nicht nur der Säugling, sondern seine ganze Familie ausgelöscht werde. Deshalb sprachen sie nun ein außergewöhnliches Urteil, das in Großbritannien bisher als einmalig gilt: Das heute einjährige Mädchen, das in den Medien als „Baby Q“ bekannt ist, muss zu ihrer eigenen Sicherheit adoptiert werden.

Die Kleine, so wurde verfügt, werde nun bei Adoptiveltern aufwachsen. Selbstverständlich solle ihr aber, sobald sie etwas älter sei, erklärt werden, warum sie nicht bei ihren biologischen Eltern habe bleiben können.

Großvater weiß nichts von der Schwangerschaft

Die Sorge der Richter ist nicht unbegründet. Die Großmutter des Mädchens hatte derlei Befürchtungen bereits gegenüber der Polizei geäußert. Falls ihr Ehemann jemals von der Existenz des Kindes erfahre, würde er sich aus einem Ehrgefühl heraus dazu verpflichtet fühlen das Baby, die Mutter, die Großmutter, also sie selbst, und deren weitere Kinder zu töten. Bisher habe man es geschafft die Identität des Kindes sowie aller anderen Involvierten geheim zu halten, um sicherzustellen, dass das Mädchen sicher und fern von seinem potentiell gefährlichen Großvater aufwachsen könne. Der ahnt bisher noch nicht einmal, dass seine Tochter überhaupt schwanger war.

Zur Welt kam die Kleine im Herbst 2010 und ist die Frucht einer Affäre mit einem verheirateten Mann. Beide Elternteile des Kindes kommen nicht aus Großbritannien. Beide sind Muslime, stammen jedoch aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Als der Kindsvater seine Frau betrog, wartete diese gerade darauf nach Großbritannien einreisen zu dürfen. Mittlerweile ist das Ehepaar wieder vereint.

Die Kindsmutter versuchte ihre Schwangerschaft aus Panik vor ihrem Vater zunächst mit weiter Kleidung zu vertuschen. Zu dieser Zeit wohnte sie noch zuhause. Vorsorgeuntersuchungen nahm sie am anderen Ende der Stadt wahr. In der 23. Woche weihte sie schließlich ihre Mutter und ihre Schwester ein. Gemeinsam erarbeiteten sie einen Plan, wie ihr Vater abgelenkt werden könnte, sobald die Wehen einsetzten. Auch den Sozialdienst hatten sie bereits informiert. Schon vor der Geburt war für die Mutter klar, ihr Baby muss zur Adoption frei gegeben werden. Nur wenige Stunden nach der Niederkunft wurden Mutter und Tochter getrennt.

Leiblicher Vater wollte Sorgerecht für das Baby

Seit Dezember letzten Jahres befindet sich das Mädchen in der Obhut eines muslimischen Ehepaares. Dieses wird das Kind nun auch adoptieren. Vor Gericht kam der Fall einzig, weil der leibliche Vater offenbarte, dass er ein uneheliches Kind habe und selbst das Sorgerecht für sie haben wollte. Bereits im Juli wurde das jedoch vor Gericht abgelehnt. Er sei nicht geeignet dafür, denn das Baby sei so weiterhin dem Risiko eines Ehrenmordes ausgesetzt. Der Großvater als auch der Rest der Community, so der Richter damals, müssten nur eins und eins zusammenzählen. Jetzt scheiterte der Vater, der mit seiner Frau mittlerweile auch ein eigenes Kind hat, mit seinem Gesuch ein zweites Mal.

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