Erdoğan: Abstimmung beweist Feindschaft gegenüber Muslimen

Während bei Erdoğan die Emotionen hoch kochen und er mit historischen Ereignissen versucht, seine Argumente zu untermauern, bleibt Sarkozy kühl: „Wir lassen uns unsere Überzeugungen nicht vorschreiben“, so der Staatsmannç

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Bei einer Konferenz zur „Veränderung der muslimischen Gesellschaften und die Rolle der Frauen“ in Istanbul, die Erdoğan besuchte, nahm er erneut Stellung zur Abstimmung im französischen Parlament am Donnerstag. Er sagte, das Ergebnis der Abstimmung zeigt das große Ausmaß der Feindschaft gegen Muslime in Frankreich und in Europa.

„Die Abstimmung in Frankreich, wo fast fünf Millionen Muslime leben, zeigt ganz klar, dass das Ausmaß des Rassismus, der Diskriminierung und der anti-muslimischen Gefühle eine gefährliche Stufe erreicht hat“, so Erdoğan.

Er beschuldigte den französischen Präsidenten Sarkozy die im April anstehenden Wahlen mit der Feinschaft gegenüber Türken und Muslimen zu gewinnen zu wollen. Die Abstimmung sei auch deshalb von Bedeutung, so Erdoğan, weil von insgesamt 577 Gesetzgebern nur 55 dem Gesetzentwurf zugestimmt hätten.

„Sarkozy wird in der türkischen Geschichte nur Toleranz finden“

„Herr Sarkozy wird keinen Genozid in der Türkei finden können. Er wird in der türkischen Geschichte nichts anderes finden als die Toleranz der Türken, Hilfe und Leidenschaft“, zitiert ihn die Tageszeitung Zaman.

Zur Untermauerung seiner Argumente bemühte Erdoğan erneut die Geschichte und las aus einem Brief aus dem Jahre 1526 vor. Diesen hatte Sultan Süleyman an den französischen König Francis I als Antwort auf dessen Anfrage nach Unterstützung gegen den französischen König Charles V in der Schlacht von Pavia gesendet. Der Sultan sagt ihm in dem Brief seine Unterstützung zu.

Auch lenkte er das Thema erneut auf Algerien. Er beschuldigte Frankreich, in Algerien Genozid betrieben zu haben. „Frankreich ab 1945 15 Prozent der algerischen Bevölkerung massakriert: Das ist ein Genozid. Sie wurden ohne Mitleid zu Tode gemartert und in Öfen verbrannt“.

„Sarkozy soll nur seinen Vater fragen“

Erdoğan sagte, Sarkozy solle nur seinen Vater fragen, der Bescheid wüsste, da er in den 1940er Jahren in der französischen Legion in Algerien gedient hat. „Ich bin mir sicher, er hat seinem

Sohn eine Menge zu erzählen über die Massaker in Algerien“, so Erdogan.

Sarkozy hingegen verteidigte die französische Abstimmung und appellierte an die Türkei, die französische Meinung zu respektieren.

„Ich respektiere die Überzeugung unserer türkischen Freunde. Die Türkei ist ein großartiges Land, ebenso wie die türkische Zivilisation, aber die Türken sollten auch unsere Überzeugungen respektieren“, so Sarkozy gegenüber der Presse in Prag, wo er hingereist war, um an der Beerdigung von Vazlav Havel teilzunehmen.

„Niemand soll Frankreich belehren“

„Frankreich möchte niemandem eine Lehre erteilen, aber genauso soll niemand Frankreich eine Lehre erteilen. Frankreich gestaltet seine Politik selbständig und braucht nicht die Erlaubnis anderer Staaten. „Frankreich hat Überzeugungen und hat Respekt gegenüber den Menschenrechten und Erinnerungen“.

Die Türkei besteht darauf, dass es sich nicht um einen Genozid gehandelt hat, sondern, dass sich die Massaker während des Kriegs zum Ende des osmanischen Reichs ereignet und Opfer auf beiden Seiten gefordert haben.

Das französische Gesetz muss noch den Senat passieren.

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