Weihnachten: So verbringen Deutsch-Türken die Feiertage

Die Deutsch Türkischen Nachrichten haben ihre Leser gefragt, wie sie die Weihnachtszeit verbringen. Zusammengefasst kann man sagen: Jeder anders!

Die Straßen erleuchten in hellem Licht, der Duft von gebrannten Mandeln und Glühwein liegt in der Luft und die Menschen sind ein klein wenig freundlicher zueinander – es ist Weihnachtszeit. Das Fest der Liebe ist in der deutschen Kultur fest verankert, egal ob man nun christlich ist oder nicht. Für Türken spielt das Fest keine Rolle, denn sind keine offiziellen Feiertage – jedenfalls nicht in der Türkei.

In Deutschland lebende Türkei-stämmige sind mit dem Fest aufgewachsen, haben die Bräuche und Traditionen bei ihren Mitschülern und Nachbarn kennengelernt. Wie Weihnachten gefeiert werden sollte und ob überhaupt, darüber sind sich die Leser der Deutsch Türkischen Nachrichten nicht einig. Die Antworten sind so unterschiedlich wie es Deutsch Türken eben sind.

Savas Yıldırım schreibt auf Facebook: „Ich denke, dass die meisten Türken Weihnachten nicht feiern werden“. Wie er führen das einige auf den christlichen Hintergrund des Festes zurück. Auch Elvan Gündüz sagt deshalb: „Weihnachten ist ein christl. Fest, deswegen feiere ich es auch nicht. Aber ich mach mir trotzdem schöne Feiertage mit meiner Familie“. Genauso sieht das Mehmet Paşaoğlu. Er feiere auch keine Weihnachten, freue sich aber über die Feiertage. „Wer feiert, denen wünsche ich frohe Weihnachten und alles Gute im neuen Jahr.“

Weihnachten als Familienfest

Der religiöse Aspekt des Festes ist jedoch für viele nicht mehr von Bedeutung. Martin Barmbek erklärt: „Man muss kein Christ sein, um Weihnachten zu feiern. Ich persönlich sehe es eher als Familienfest bzw. Fest mit Freunden.“ Mustafa Ertence und Mürsel Bindokuzyüzüç glauben sogar, Weihnachten sei hierzulande zu einem „Konsumfest“ verkommen und habe schon lange nichts mehr mit einem Fest der Besinnlichkeit zu tun.

Doch wie verhält es sich mit Paaren gemischter Herkunft? Hier muss immer ein Kompromiss gefunden werden, damit beide Seiten glücklich sind. Schließlich ist Weihnachten kein einmaliges Fest. Brigitte Fleischmann erzählt: „Wir sind eine Familie, die aus muslimischen und christlichen Mitgliedern besteht. Wir feiern Weihnachten mit kleinen Geschenken und Baum. Jesus ist im Islam ein erhöhter, besonderer Prophet. Als diesen betrachten wir alle ihn. Der Weihnachtsbaum ist ein heidnischer Brauch, es gibt ihn erst seit dem 18. Jahrhundert.“

Bei Adriana Koc ist das ähnlich: „Wir feiern Weihnachten bei meinen Eltern, da meine Schwiegereltern in Istanbul leben. Mein Mann ist Moslem aber er feiert mit uns Weihnachten genauso wie Ostern. Ich feiere mit meinem Mann auch alle muslimischen Feiertage wie das Opfer- und Zuckerfest. Unsere Tochter ist Deutsch-Türkin uns sie wächst mit beiden Kulturen und beiden Religionen auf. Wir betrachten dass nicht als Sünde, sondern als Bereicherung, dass wir die Feste der jeweils anderen Religion / Kultur feiern.“ Mert Hakalmaz hat eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater (er hat die Flugtickets in die Türkei beim DTN-Gewinnspiel ergattert – mehr dazu hier). Er wird Heiligabend mit der Familie seiner Mutter verbringen und freut sich auf das Wiedersehen.

Türkei: Auch hier gibt es Weihnachtsbäume

Und wie ist das in der Türkei? Dort ist der Feiertag auch schon lange nicht mehr unbekannt. Bahriye Zeki lebt in der Türkei und erzählt, dass ihr muslimischer Nachbar schon seit 15 Jahren einen Weihnachtsbaum im Haus aufstelle. Doch er tue das zu Silvester. Durch das Fernsehen ist der Brauch nämlich auch in vielen nicht-christlichen Ländern bekannt geworden und wird als Dekoration zu Silvester genutzt.

Pauline Meyer-Beer lebt zurzeit auch in der Türkei und wird die Feiertage mit ihrem Freund in Istanbul verbringen. Doch traurig ist sie nicht, denn sie „wollten für Weihnachten nicht nach Hause nach Berlin fliegen, sondern es ein Mal anders erleben“.

Evangelischer Gottesdienst in Beyoğlu

Einen Plan hat sie auch schon: „Wir werden hier weder einen Weihnachtsbaum haben, noch uns reich beschenken. Am 24. werden wir gemütlich frühstücken gehen und anschließend ein kleines Essen vorbereiten. Um 16 Uhr werden wir zum Evangelischen Gottesdienst in Beyoğlu gehen und uns am frühen Abend in der Wohnung von Freunden treffen, um gemeinsam einen schönen Abend zu verbringen; mit Essen, Glühwein, Wichteln, Weihnachtsmusik.“

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