Türkei: Zivilgesellschaft boykottiert französische Produkte

Die türkische Regierung an bestehende Finanzabkommen mit Frankreich gebunden. Zum Boykott französischer Produkte rufen daher Nicht-Regierungs-Organisationen auf. Aber einige der boykottierten Produkte sind gar nicht französisch.

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Nachdem das französische Parlament dafür gestimmt hat, dass die Leugnung des armenischen Völkermords bestraft wird, rufen türkische zivilgesellschaftliche Organisationen zum Boykott französischer Produkte auf.

Neben den von Ministerpräsident Erdoğan vorgestellten Maßnahmen, starteten diverse türkischen Gruppen in der ganzen Welt eine Kampagne zu einem Boykott von französischen Firmen und Produkten. Damit wollen sie ihren Bedenken Ausdruck verleihen, dass das Gesetz zu Bestrafung der Leugnung des Genozids an Armenier 1915 das französische Parlament passiert hat. Sollte das Gesetz nicht den Senat passieren, so sei zusätzlich zu dem türkischen Boykott auch noch mit einer Reaktion der Armenier zu rechnen. Das würde die Situation für Frankreich „noch weiter verschlechtern“, zitiert die Tageszeitung Zaman Abgeordnete der Sozialistischen Partei.

Ein offizieller finanzieller Boykott ist nicht Teil der Maßnahmen der türkischen Politik. Grund dafür sind die internationalen Finanzabkommen, an die die Türkei gebunden ist. Aus diesem Grund haben zivilgesellschaftliche Gruppen den Boykott in die eigene Hand genommen.

Manche Aktionen besaßen vor allem symbolischen Wert. So wurden beispielsweise französische Fußballteams von Wetten in Wettbüros ausgeschlossen. Andere Aktionen aber könnten besonders französischen Unternehmen in der Türkei ernsthaften Schaden zufügen. Bereits 2001 war die Exportrate von französischen Waren in die Türkei um 40 Prozent gefallen, nachdem eben dieses umstrittene Gesetz den Senat passieren konnte. Die Beziehungen konnten wieder hergestellt werden, besonders nachdem der Senat den Gesetzesentwurf 2006 zurückzog.

Enttäuscht von der Abstimmung des französischen Parlamente, geht zurzeit eine Liste von Produkten um, die von französischen Unternehmen hergestellt oder vermarktet werden sollen. Gleichzeitig befinden sich auf der Liste allerdings Unternehmen und Produkte, die keine Verbindung mit Frankreich haben, so dass kritische Stimmen sagen, dass der Boykott aus anderen Motiven geführt wird.

Andererseits hat aber das französische Gesetz aber nicht die Ferienpläne der Türken verändert, die vorhaben, über Silvester nach Paris zu reisen. Nach Informationen von Reisebüros, so berichtet die Tageszeitung Zaman, wurden keine Reisen storniert. Letztes Jahr waren 20.000 Türken nach Paris gereist. Für dieses Jahr wird trotz der politischen Anspannungen die gleiche Anzahl erwartet.

Gleichzeitig verleiht die türkische Politik ihrer „Enttäuschung“ über die französische Entscheidung Ausdruck. Außenminister Davutoğlu machte deutlich, dass er erwartet hatte, dass Frankreich gemeinsam mit der Türkei und Frankreich an einer Studie zur Aufklärung der Ereignisse von 1915 mitarbeiten würde. Stattdessen aber habe Frankreich das Gesetz im Unterhaus des Parlaments verabschiedet.

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