Angst vor der Türkei: „Europa spielt die armenische Karte aus“

Mit der Verabschiedung des Gesetzes über die Leugnung des armenischen Genozids in Frankreich habe sich, so die Ansicht des türkischen Abgeordneten Ali Riza Alaboyun, wieder einmal die feindselige Haltung der Armenier gegenüber der Türkei gezeigt. Die Konsequenz ist für ihn klar: Jetzt müssten sein Land und Aserbaidschan enger zusammenrücken.

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Seitdem Frankreich zum Gesetzesentwurf über die Leugnung des armenischen Genozids entschieden hat, ist die Stimmung in der Türkei am Brodeln (über den Durchmarsch des Gesetzes hatten am vergangenen Donnerstag gerade einmal 41 Abgeordnete entschieden – mehr hier). Während Premier Recep Tayyip Erdoğan seiner Wut freien Lauf ließ, blieb sein französischer Amtskollege Nicolas Sarkozy ausgesprochen kühl: „Wir lassen uns unsere Überzeugungen nicht vorschreiben“, so seine Mahnung in Richtung Türkei (Für Erdoğan ist die Entscheidung des französischen Parlaments ein Signal, worauf hin er einen acht-Punkte-Plan mit Sanktionen vorstellte– mehr hier und hier). Einmischung, die will nun auch Staatspräsident Abdullah Gül nicht mehr. Er forderte am Wochenende, dass Frankreich aus der so genannten Minsk-Gruppe auszutreten habe (dieses Land, so seine Überzeugung habe bei der Schlichtung des Konflikts zwischen Aserbaidschan und Armenien nichts mehr zu suchen – mehr hier).

Hierzu mischt sich jetzt ein weiterer türkischer Parlamentarier ein: “Die Idee von ‘Einer Nation und zwei Staaten’ hat zwischen der Türkei und Aserbaidschan bereits existiert bevor das Gesetz das französische Parlament passiert hat. Nach diesem Entschluss müssen die Türkei und Aserbaidschan ihre Beziehungen auf allen Ebenen weiter ausbauen”, so der Abgeordnete Ali Riza Alaboyun, Vorsitzender der NATO-Gruppe des türkischen Parlaments, gegenüber der Nachrichtenseite “APA“.

Ali Riza Alaboyun: Armenien führt Kampagne gegen Türkei

Er unterstrich noch einmal, dass Armenien seine feindselige Haltung gegenüber der Türkei und Aserbaidschan beibehalte – und zwar auf allen Ebenen: “Es ist unmöglich zu verstehen, dass man uns dazu zwingen will die Ereignisse, die sich vor 100 Jahren ereigneten als Genozid zu betrachten. Die Dokumente in den Archiven zeigen, dass die Armenier Völkermord an Türken begangen haben. Die Armenier führen eine verleumderische Kampagne gegen die Türkei, um den Völkermord von Chodschali, den sie vor 20 Jahren begangen haben, und die Besetzung von 20 Prozent des aserbaidschanischen Lands zu vertuschen”, so der Politiker weiter. Das türkische als auch das aserbaidschanische Parlament müssten seiner Meinung nach nun eng zusammenarbeiten und ihre Aktivitäten in internationalen Organisationen ausbauen.

Europa fürchten ein Erstarken der Türkei

Nach Ansicht von Alaboyun würden die europäischen Staaten die “armenische Karte” gegen die Türkei und Aserbaidschan ausspielen wollen, weil sie auf der anderen Seite die Erstarkung der Türkei und die Rückkehr eines neuen ottomanischen Geistes fürchten würden. “In erster Linie muss das wirtschaftliche Potential unserer beiden Länder gestärkt werden”, so Alaboyun.

Die Armenier wiederum hätten ihre wahren Intentionen preisgegeben als sie die Berg-Karabach Region besetzten und die Truppen das Gebiet mit unbändiger Kraft dem Erdboden gleich machten. “Wir haben außer uns keine Freunde. Darum müssen wir unsere ökonomischen, interparlamentarischen und Verbindungen zwischen den NGOs verstärken. Unsere Parlamentarier müssen sich mit den europäischen Parlamentariern an einen Tisch setzen und zusammen unsere Rechte schützen. Wir müssen unsere Jugend im Geiste der nationalen Traditionen großziehen. Wir müssen unsere Energie bündeln und sie im Kampf für nationale Fragen einsetzen.”

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