Valérie Boyer: Türkische Hacker legten Webseite lahm

Die Stimmung zwischen der Türkei und Frankreich ist nach der Verabschiedung des Genozid-Gesetzes am 22. Dezember zum Zerreißen gespannt. Mittendrin ist Valérie Boyer. Die französische Politikerin hat nicht nur Morddrohungen erhalten, auch ihr Internetauftritt wurde sabotiert.

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Vor noch nicht einmal einer Woche hat die französische Nationalversammlung einen Gesetzentwurf verabschiedet, der das Leugnen von Völkermorden unter Strafe stellt (der türkische Premier Erdogan reagierte prompt und erklärte, dass es in der Türkei keinen Genozid gegeben habe – mehr hier).

Jetzt wurde auch die Initiatorin des umstrittenen Gesetzentwurfs, dessen Abstimmung in den Augen Erdogans die Feindschaft gegenüber Muslimen in Frankreich und Europa beweise (der Rassismus, so der Premier habe eine gefährliche Stufe erreicht – mehr hier), Valérie Boyer, angegriffen. Bereits während der Weihnachtsfeiertage ist es, so berichten türkische Medien, bisher unbekannten türkischen Hackern gelungen, die offizielle Internetseite der Parlamentsgeordneten “www.valerie-boyer.fr” zu hacken und sie auf die mittlerweile nicht mehr erreichbare Seite der Cyberaktivisten “http://www.grayhatz.co/fr.html” umzuleiten.

Cyberaktivisten beschimpfen Franzosen

In der Zwischenzeit war auf der Seite der UMP-Politikerin aus Marseille zu sowohl in türkischer als auch in englischer Sprache lesen: “Ihr, die Mitglieder der armenischen Diaspora, seid solche Feiglinge, dass ihr nicht den Mut habt, die armenischen Archive zu öffnen und der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.” Nach Ansicht der Hacker könne man von einem “Völkermord an den Armeniern nicht sprechen”. Als Konsequenz hagelte es Beschimpfungen für das französische Volk. Es sei, so war weiter zu lesen, “so erbärmlich und niederträchtig, dass ihr die Wahrheit für (Wähler-)stimmen entstellt.” Daneben so betonten die Hacker auf ihrer Webseite, sollten sie lieber vor der eigenen Haustüre kehren und darüber diskutieren, welche Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Algerien während der Kolonialzeit zwischen 1830 und 1962 passiert seien.

Armenier in der Türkei einig mit den Türken

Unterdessen lobten die Aktivisten die Armenier, die derzeit in der Türkei lebten. Sie seien über die französische Entscheidung genauso beunruhigt wie ihre türkischen Mitbürger. Die armenische Diaspora in Frankreich hingegen wird von den Hackern als “eine egoistische Gesellschaft” bezeichnet, die sich von der Regierung Sarkozy Vorteile verschaffen wolle.

Boyer, die neben dieser Attacke auch Ziel von Mord- und Vergewaltigungsdrohungen geworden ist, kündigte bereits am vergangenen Montag an, dass sie den Cyberangriff nicht auf sich beruhen lassen und dagegen Klage einreichen werde.

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