Güler Sabancı: Nachbarn sollten von Türkei lernen!

Die türkische Unternehmerin Güler Sabancı ist der Ansicht, dass ihr Land seit 2009, als es von der Finanzkrise getroffen wurde, eine bemerkenswerte Wirtschaftsleistung an den Tag gelegt habe. Von den Erfolgen, so die Vorsitzende der Sabancı Holding, der zweitgrößten Industrie- und Finanzgruppe in der Türkei, könnten auch deren Nachbarn noch einiges lernen.

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„Dieser Erfolg“, zitieren türkischen Medien die Neujahrsbotschaft von Güler Sabancı an ihre Holding-Mitarbeiter, „ist weitgehend auf den außergewöhnlichen Unternehmergeist in unserem Land, die dynamische und flexible Natur unserer Wirtschaft, flexible Wechselkurspraktiken, stabile Finanzpolitik und eine Atmosphäre des Vertrauens, die daraus resultiert, entstanden.“

Das Türkische Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Jahr 2009 im Zuge der weltweiten Finanzkrise ausgelöst durch die Kreditkrise in den USA um fast fünf Prozent. Doch die Türkei überstand den globalen Sturm erstaunlich schnell. Bereits im letzten Quartal 2009 zog das Wirtschaftswachstum wieder an. 2010 erreichte die Türkei ein Wachstum um 8.9 Prozent. In den ersten drei Quartalen 2011 waren es noch einmal 9.6 Prozent. „Die herausragende Entwicklungsleistung der Türkei stärkt nicht nur unseren Einfluss innerhalb der Region, sondern ist auch die Quelle nationalen Stolzes“, so Güler Sabancı weiter.

Leistungsbilanzdefizit auf „vernünftigem Niveau“ halten

Doch so viel Wachstum hat auch seinen Preis. Das Leistungsbilanzdefizit der Türkei (CAD) erweiterte sich. Die Kluft, die derzeit an die neun Prozent des BIP heranreicht, veranlasste die Regierung dazu ihren Fokus nun mehr auf finanzielle Stabilität zu legen anstatt weiter auf ein rasantes wirtschaftliches Wachstum zu setzen. „Es ist ziemlich normal, dass die Türkei ein Importeur von Nettokapital ist, dessen Wirtschaft deshalb ein CAD aufweist“, so die Unternehmerin. Doch Ziel der Türkei sollte es sein, diese Lücke auf einem vernünftigem Niveau zu halten und eine Finanzierung über langfristige ausländische Investoren anzustreben. Noch einmal verwies sie in diesem Zusammenhang auch auf die Notwendigkeit Einsparungen vorzunehmen.

Türken müssen in den kommenden Jahren sparen

„Das CAD kann mit mehr Einsparungen begrenzt werden. Als Einzelpersonen, Unternehmen und als Regierung müssen wir mehr sparen. Das sollte in den kommenden Jahren unsere nationale Priorität Nummer eins sein.“

In ihrer Botschaft brachte Güler Sabancı auch zum Ausdruck wie wichtig es nun für Europa sei die derzeitige Krise, die den gesamten Kontinent einnimmt, zu überwinden. Denn ihrer Ansicht nach müssten sich die Politiker auf das Aufkommen weitaus ernsthafterer und fundamentalerer Probleme auf der ganzen Welt einstellen. In diesem Zusammenhang erklärte der türkische Finanzminister Mehmet Şimşek bereits Mitte Dezember auf einem Symposium in Istanbul, dass das islamische Bankenmodell, das auf Teilhabe und nicht auf Spekulation setzt, ist eine gute Alternative in den Zeiten der Krise wäre (nach Meinung von  Şimşek hätten die derzeitigen Probleme der Wirtschaftswelt ganz leicht umschifft werden können – mehr hier).

Finanzkrise erinnert an Große Depression der 30er

Sabancı hingegen erklärt: „Die Krise, die in Griechenland und Irland aufkam, hat sich nun auf Portugal, Spanien und Italien ausgebreitet. Nun ist sie derart angewachsen, dass sie sogar Länder wie Frankreich bedrohen könnte.“ Es zeigt sich nun, dass negative Dynamiken wie Populismus, Mikro-Nationalismus und Protektionismus aufkommen, falls die Eurozone ihre Schuldenkrise nicht lösen könne. „Die gegenwärtige Krise erinnert an die Große Depression der 1930er Jahre. Die Welt sollte nie die Gefahren unterschätzen und aus der Geschichte lernen. Ich hoffe sehr, dass Europa starke Institutionen bauen werde, die ihre gemeinsame Geldpolitik managen und den Euro sowie seine Nachhaltigkeit konsolidieren werde.“

Ein ähnliches Loblied auf die Türkei gab bereits Staatspräsiden Abdullah Gül während der Eröffnungssitzung der „World Policy Conference“ in der Wiener Hofburg. Seiner Meinung nach steuere die Weltwirtschaft geradewegs auf eine Rezession zu. Im Gegensatz zu seinem Heimatland der Türkei habe die Europäische Union ihre eigenen Stabilitätskriterien missachtet. Er konstatierte: “Wir erleben den Anfang einer neuen Weltordnung” (die wirtschaftlichen Mächte, so Gül, würden sich verschieben – mehr hier)

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