Davutoğlu: 21. Jahrhundert gehört den turksprachigen Nationen

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu hat am vergangenen Dienstag in Ankara verkündet, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der turksprachigen Länder sei. Anlass war die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit dem Kooperationsrat turksprachiger Staaten, welche die Türkei nun auch offiziell als Gastgeberland für die dazugehörigen Botschafterkonferenzen vorsieht.

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Nach Ansicht von Davutoğlu hat der 2010 gegründete Rat den ökonomischen wie diplomatischen Beziehungen der Turkstaaten wesentlichen Vorschub geleistet. Im Zuge dessen soll der Rat nun auch eine Erweiterung erfahren. Derzeit gibt es nur vier Mitglieder: Kasachstan, Aserbaidschan, Kirgistan und die Türkei, als größtes Mitglied. (während dieser Rat wachsen soll, drängt die Regierung auf der anderen Seite, dass Frankreich aus der so genannten Minks-Gruppe austrete – mehr hier). Die Hauptziele des Rates bestehen darin, die wirtschaftlichen Beziehungen der Mitgliedsstaaten zu stärken, aber auch die Zusammenarbeit in Sachen Kultur und Tourismus voranzutreiben, um so die kulturellen und historischen Anlagen der türkischen Welt zu bewahren.

Turkstaaten haben sich in 20 Jahren etablieren können

Davutoğlu stellte während des Gipfeltreffens heraus, dass die Turkstaaten [in Zentralasien] mittlerweile selbstständig seien und in den vergangenen 20 Jahren seit dem Zerfall der Sowjetunion in ihrem Streben nach Unabhängigkeit sowohl in wirtschaftlicher wie politischer Hinsicht bemerkenswerte Fortschritte erzielt hätten. “Ich hoffe, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der turksprachigen Länder sein wird”, so Davutoglu.

Rats-Minister General Halil Akıncı erklärte anlässlich der Zusammenkunft noch einmal, dass die Vereinbarung [die Bildung des Rates] vorsieht, dass das Hauptquartier des Rates in Istanbul sitze und dass das Generalsekretariat seine Arbeit im November 2010 aufgenommen hätte. “Mit dem, was jetzt unterzeichnet wurde, sei die Formung der rechtlichen Infrastruktur bezüglich des Status und Betriebs des Generalsekretariats abgeschlossen”, so Akıncı weiter.

İstanbul soll neues globales Zentrum werden

Bezug nehmend auf den Hauptsitz des Rates in Istanbul, merkt Davutoğlu an, dass die Bosporus-Metropole künftig Zentrum für viele internationale Organisationen werden solle. Die Stadt, so die gemeinsame Vision, solle zum globalen diplomatischen Zentrum  – eine Stadt der UN avancieren.

Am vergangenen Dienstag nun der erste Schritt, um die Millionenstadt zu einem globalen Zentrum für wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen werden zu lassen. Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten unterzeichnete eine Vereinbarung über eine künftige enge Zusammenarbeit mit der Istanbuler Stadtverwaltung.

İstanbul soll hierbei, so Davutoğlu weiter, auch die Rolle als bedeutender Finanzplatz zufallen. Von hier aus sollen wirtschaftliche Netzwerk gestrickt werden und wesentliche Transportwege zusammenlaufen. Doch die Stadt kann mehr: Istanbul soll auf Grund seiner Historie auch ein Zentrum der kulturellen und geistigen Aktivitäten werden.

Vor Herbst 2010 keine festen Strukturen

Vom 20. bis zum 21. Oktober 2011 hatte zuvor in Alma-Ata das erste Gipfeltreffen des Kooperationsrats turksprachiger Staaten stattgefunden. Teilnehmer waren zu jener Zeit die Präsidenten Aserbaidschans, Kasachstans und Kirgistans, Ilcham Alijew, Nursultan Nasarbajew und Rosa Otunbajewa sowie der Vizeministerpräsident der Türkei, Bekir Bozdag.

Zwar traf man sich auf Initiative der Türkei bereits seit 1992 als “Gipfel der türkischsprachigen Länder”, um zunächst sprachliche und kulturelle Projekte in Angriff zu nehmen. Im Rahmen des zehnten Gipfeltreffens, das im September 2010 in Istanbul stattfand, kam dann jedoch die entscheidende Wende – Zuvor gab es de facto keinerlei festen Strukturen für das Zusammenwirken der turksprachigen Staaten: Jetzt wurde offiziell die Bildung eines internationalen Rats ratifiziert und dessen leitende Organe, der Rat der Staatsoberhäupter, der Rat der Außenminister und ein Ältestenrat eingesetzt. Auch ein Rat für wirtschaftliche Fragen wurde beschlossen.

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