Armenischer Erzbischof: Wir wollen keine Einmischung von außen!

Der armenisch-apostolische Erzbischof von Istanbul, Aram Ateşya, hat die Verabschiedung des Genozid-Gesetzes am 22. Dezember in Frankreich verurteilt. Die Armenier in der Türkei wollen, so der Geistliche, ihre Probleme selbst lösen. Dritte sollten sich hier nicht einmischen.

+++ Aktuell: Valérie Boyer: Türkische Hacker legten Webseite lahm +++ Parteifreund von Geert Wilders: NATO-Mitgliedschaft der Türkei überdenken! +++ Angst vor der Türkei: „Europa spielt die armenische
Karte aus“

Erzbischof Aram Ateşyan fordert, dass der türkisch-armenische Konflikt intern geregelt wird. (Foto: DTN)

Erzbischof Aram Ateşyan fordert, dass der türkisch-armenische Konflikt intern geregelt wird. (Foto: DTN)

Am vergangenen Dienstag stellte sich Erzbischof Aram Ateşya vor dem Patricharchatsgebäude den Reportern als er Hilfspakete vom türkischen Roten Halbmond für bedürftige Armenier entgegennahm. Ateşyan nutzte die Gelegenheit, um sich kritisch zum Vorgehen Frankreichs zu äußern.

Einmischung von außen verschärft türkisch-armenischen Konflikt

“Wir müssen unsere Probleme innerhalb des Landes angehen”, stellt der armenische Geistliche heraus. “Wir bevorzugen eine Lösung unserer Probleme mit unserem [türkischen] Staat.” Weitere Gruppen, Staaten oder Meinungen sollten sich seiner Ansicht nach nicht in dieser Frage einmischen. Dies würde die ohnehin schon kühlen Beziehungen zwischen Türken und Armeniern weiter verschlechtern, wenn nicht gar vollständig einfrieren. “Das führt zu gar nichts.”

Am 22. Dezember hatten 41 Abgeordnete über den von Valérie Boyer eingebrachten Gesetzesentwurf abgestimmt (Wer den Völkermord an Armeniern leugnet, muss künftig mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und 45.000 Euro Bußgeld rechnen – mehr hier). Seitdem wird nicht nur Valérie Boyer selbst bedroht (sie erhielt Morddrohungen und ihre Internetseite wurde lahmgelegt – mehr hier), auch auf diplomatischen Parkett reagierte die Türkei sofort. Alle wirtschaftlichen, politischen und militärischen Treffen mit NATO-Partner Frankreich wurden abgesagt (der türkische Botschafter aus Paris wurde abgezogen – mehr hier; zudem präsentierte Recep Tayyip Erdogan einen acht Punkte umfassenden Sanktionsplan – mehr hier).

Forderung: Türkei und Aserbaidschan müssen enger zusammenrücken

Aus der Türkei selbst traf die Armenier ebenfalls ein scharfer Ton. Mit der Verabschiedung des Gesetzes über die Leugnung des armenischen Genozids in Frankreich habe sich, so die Ansicht des türkischen Abgeordneten Ali Riza Alaboyun, wieder einmal die feindselige Haltung der Armenier gegenüber der Türkei gezeigt. (Seine Konsequenz: Jetzt müssten sein Land und Aserbaidschan enger zusammenrücken – mehr hier). Und auch aus Holland kommen kritische Töne. Hier wird von konservativen Kräften gefordert, die NATO-Mitgliedschaft der Türkei zu überdenken ( Geert Wilders Parteikollege Wim Kortenoeven äußerte sich derart in der “Jerusalem Post” -mehr hier).

Mehr zum Thema:

Davutoğlu: 21. Jahrhundert gehört den turksprachigen Nationen
Türkischer Mufti: Santa Claus existiert nicht!
Anschläge in Nigeria: KRM ruft zur Solidarität gegen Terror auf

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.