Leyla Zana: Kurdische Autonomie ist nicht genug!

Die kurdische BDP-Abgeordnete Leily Zana ist der Ansicht, dass die anfänglich von den Kurden gewollte Autonomie nun nicht mehr ausreiche. Sie fordert nun eine Volksabstimmung über eine Unabhängigkeit der Kurden.

+++ Aktuell:  Genozid-Gesetz: Türkei droht Frankreich mit weiteren Sanktionen +++ Nach Luftangriff: Wie zuverlässig arbeitet der türkische Geheimdienst? +++ Davutoğlu: Frankreich hat Status auf Kosten anderer erreicht! +++ Luftangriff: Türkische Menschenrechtsgruppen fordern UN-Untersuchung

Leyla Zana, die in Deutschland an einer Konferenz über die Geschichte der kurdischen Migration nach Europa teilnahm, erklärte gegenüber dem kurdischen Nachrichtenportal „Rudaw“, dass die „Kurden ihre eigene Zukunft bestimmen sollten“.

„Einige Kurden in der Türkei wollen die Autonomie. Die Frage ist, wie viele von ihnen diese Autonomie wollen. Über dieses Thema muss auch eine Debatte stattfinden. Ich glaube, die Kurden sollten in der Lage sein selbst über ihre Zukunft zu entscheiden. Es ist wahr, dass wir ursprünglich Autonomie gefordert haben. Doch heute sind die Kurden in der Türkei der Ansicht, dass eine Autonomie nicht mehr ausreicht“, so Zana.

Kurden sollten per Volksabstimmung entscheiden dürfen

Erst im vergangenen Juni kam der Demokratische Gesellschaftskongress (Demokratik Toplum Kongresi, DTK) – eine Plattform, die nicht-staatliche kurdische Organisationen vereint – zusammen und erklärte in Diyarbakir die „Demokratische Autonomie“ innerhalb der territorialen Integrität der Türkei. Abdullah Öcalan, dem inhaftierten Führer der terroristischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ist dafür bekannt, der geistige Kopf hinter der Idee einer „demokratischen Autonomie“ zu sein. Eine Idee, die bisher übrigens niemand ganz klar definieren kann. Die pro-kurdische BDP argumentiert, dass sich der Begriff auf eine starke lokale Regierung bezieht. Doch die Regierung und anderen Parteien sind der Ansicht, dass damit die Nutzung einer anderen Flagge sowie einer anderen Sprache einher gehe, was ihrer Ansicht nach nicht zur Debatte stünde.

Deutschland als Vorbild für die Türkei

Zana erinnerte nun an zwei Volksabstimmungen im kanadischen Quebec, in denen es um die Abspaltung einer Provinz vom Rest des Landes ging. Sowohl 1980 als auch 1995 wurde über die Unabhängigkeit des Gebiets abgestimmt. Beide Male wurde das Gesuch von den Wählern niedergeschlagen. „Ich denke, die Zeit für die Kurden ist gekommen über ihre eigene Zukunft via Volksabstimmung zu entscheiden.“ Die Politik des Zwangs gegenüber den Kurden müssen beendet werden. „Freiheit, Autonomie, Föderalismus und Unabhängigkeit sind auch die Rechte der Kurden.“ Die Türkei könne etwa ein Föderales System wie in Deutschland schaffen, so die Politikerin. Ankara könne dann auf Bundesebene entscheiden. Während die Kurden auf regionaler Ebene die Entscheidungsgewalt hätten.

„Die Kurden sollten ihre Zukunft durch ein Referendum bestimmen. Das Ergebnis, welches eine Autonomie, Föderalismus oder die Unabhängigkeit für die Kurden in der Türkei sein könnte, werden wir akzeptieren. “ Sie sollten, so Zana weiter, wie jede andere Nation in der Lage sein, eine Entscheidung zu treffen, die die Welt zu akzeptieren habe.

Kampf um Unabhängigkeit dauert fast 100 Jahre

Bereits seit fast einem Jahrhundert würden die Kurden im Mittleren Osten ihre Unabhängigkeit einfordern. Doch genauso lange würden die Regierungen des Iran, der Türkei, Syriens und des Iraks sicherstellen, dass sie weiterhin unter ihrer Autorität stünden. „Manchmal sind diese Länder gegeneinander und man spürt, dass unter ihnen keine Einigkeit herrscht“, führt Leyla Zana weiter aus. „Doch wenn es um die Kurdenfrage geht, dann sind sie sich alle einig. Die Kurden in Syrien, in der Türkei und im Iran werden immer noch unterdrückt und geteilt.“

Mehr zum Thema:

Armenischer Erzbischof: Wir wollen keine Einmischung von außen!
Davutoğlu: 21. Jahrhundert gehört den turksprachigen Nationen
Anschläge in Nigeria: KRM ruft zur Solidarität gegen Terror auf

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.