Skandal um Brustimplantate: Silikon war nicht zugelassen!

Allein in Frankreich haben sich 30.000 Frauen Silikon-Implantate der Firma Poly Implants Prothèses (PIP) einsetzen lassen. 1000 Exemplare gingen auch in die Türkei. Jetzt meldet sich der Anwalt des Unternehmens zu Wort. Er erklärt, dass die meisten der seit 1991 verkauften Implantate aus Silikon gewesen seien, das nicht von den Gesundheitsbehörden zugelassen war.

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Bereits mit Aufkommen des Silikon-Skandals warnte Professor Murat Topalan, leitendes Mitglied der Türkischen Gesellschaft für plastische Chirurgie, die Verwendung von billiger Ware sei vollkommen unakzeptabel und ein großer Produktionsfehler (das mittlerweile Konkurs gegangene Unternehmen hatte, so viel war bekannt, industriellen Silikon verwendet – mehr hier). Jetzt wird der Skandal durch die Aussagen des französischen Anwalt des Unternehmens und dessen Gründer Jean-Claude Mas, Yves Haddad, noch einmal verschärft.

Wie türkische Medien derzeit melden, räumt nun auch der Jurist ein, dass PIP sowohl sogenannte „einfache“ Prothesen aus Silikon, der nicht von den Gesundheitsbehörden genehmigt wurde, als auch High-End-Produkte mit zugelassenem Silikon für wohlhabendere Kunden des einst drittgrößten Implantate-Herstellers der Welt verkaufte. „Es gibt ein Produkt von PIP, das nicht die Zustimmung der Behörden erhalten hat. In dieser Hinsicht gab es einen Verstoß gegen die Vorschriften“, so Haddad in einem Interview mit einer Nachrichtenagentur.

PIP vor allem an Kostenoptimierung interessiert

Bereits 2010 musste PIP auf Grund dieser Tatsachen schließen. Damals wurde aufgedeckt, dass das Unternehmen aus Kostengründen in einigen seiner Produkte Industriesilikon verwendete, der nicht durch die Gesundheitsbehörden abgesegnet war. Zu dieser Vorgehensweise muss sich nun auch der Anwalt äußern. Er erklärt hierzu, dass PIP ein Unternehmen mit wirtschaftlichen Zielen gewesen sei und weil die Unternehmensführung versuchte die besten Kosten zu erzielen. Demnach sei die einfache Variante der Implantate mit dem illegalen Silikon zwar genauso effektiv, aber immerhin fünfmal billiger gewesen als die High-End-Variante. Schließlich habe der 120-Mann-Betrieb „Umsatz und Zielvorgaben“ einhalten müssen. „Es gab ein einfaches Produkt und ein High-End-Produkt, zum Beispiel für Leute, die im 16. [Arrondissement von Paris] lebten“, so der Anwalt weiter.

Niemals hat PIP die zuständigen französischen Behörden darum gebeten, ihr „hausgemachtes“ Produkt zuzulassen. Es wäre, so die Ansicht des Anwalts, jedoch zu erwarten gewesen. Seinen Schilderungen nach hätten Mitarbeiter der AFSSAPS im März 2010 lediglich die Fabrik in La Seyne Sur Mer in Augenschein genommen, nachdem es anonyme Hinweise gegeben hätte, in denen auf die Methoden des Betriebs aufmerksam gemacht wurden.

Mögliche Zivilklage gegen die Operateure

Seit Bekanntwerden des Skandals ist Firmengründer Jean-Claude Mas aus der Öffentlichkeit verschwunden. Philippe Courtois, Anwalt von 1300 französischen Opfern, zeigt sich verblüfft, dass gegen Mas noch keine Anklage erhoben worden sei. Ein weiterer Jurist, Laurent Gaudon, der vier Frauen vertritt, kündigte unterdessen an, dass er Zivilklage gegen die Operateure einreichen wolle. Er betont: „Als Chirurgen haben sie die Pflicht ihre Patientinnen nicht nur über die Operationsrisiken aufzuklären, sondern auch über die Vor-und Nachteile der verwendeten Implantate.“

Bereits am vergangenen Dienstag versuchte der französische Gesundheitsminister die aufgebrachten Frauen zu beruhigen, indem er erklärte, dass es keine medizinische Notwendigkeit gäbe, die Implantate von PIP sofort zu entfernen. Anders äußerte sich hierzu ein türkischer Arzt. Der plastische Chirurg Ahmet Karacalar rief alle Betroffenen auf, sich erneut operieren zu lassen.

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