Trotz Polizeischutz: Türkisches Mädchen wird von eigenen Brüdern ermordet

Erneut ist in der Türkei ein tragischer Fall von häuslicher Gewalt bekannt geworden. Opfer ist diesmal eine erst 21-jährige junge Frau. Unter Polizeischutz war Hacer Akçal in ihr Zuhause im Bezirk Kahta in der Provinz Adıyaman zurückgekehrt, um einige persönliche Gegenstände zu holen. Dort angekommen wurde sie von ihren beiden Brüdern erstochen.

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Die Verbrechen an zwei 15- und 21-jährigen jungen Frauen erschüttern derzeit die Türkei: (Foto: Martin Büdenbender/pixelio.de)

Die Verbrechen an zwei 15- und 21-jährigen jungen Frauen erschüttern derzeit die Türkei: (Foto: Martin Büdenbender/pixelio.de)

Erst Ende November entschied das türkische Parlament über eine Reihe neuer Gesetze gegen häusliche Gewalt. Gleichheit von Mann und Frau in Verfassung und Rechtssystem, Abschaffung diskriminierender Vorschriften, Thematisierung der häuslichen Gewalt im Schulunterricht, Verbesserung der Hilfsangebote für Betroffene, Verhinderung von Zwangsehen – zu diesen und noch vielen anderen neuen Regelungen hat sich die Türkei  vor gut einem Monat verpflichtet (stolz gab Familienministerin Fatma Sahin den Vorstoß in der Istanbuler Bahcesehir Universität bekannt – mehr hier).

Jetzt muss sich das Land erneut mit einem schlimmen Mordfall auseinandersetzen. Nach einer schriftlichen Erklärung des Bürgermeisters von Adıyaman, Ramazan Sodan, zu Folge, nahm das Geschehen bereits im vergangenen September seinen Anfang. Damals flüchtete die junge Akçal aus ihrem Zuhause. Nach ihrem Verschwinden am 16. September meldete ihre Familie das umgehend an die Polizei. Suchtruppen fahndeten nach der jungen Frau. Schließlich wurde sie in der Nähe der Stadt Şanlıurfa aufgegriffen und am nächsten Tag zurückgebracht.

Mädchen wird trotz Polizeischutz erstochen

Am vergangenen Mittwoch ging das Mädchen dann selbst zur Polizei. Sie erklärte, dass sie gerade aus ihrem Schlafzimmer geflüchtet sei. Dort hatte die Familie sie seit ihrer Flucht vor drei Monaten eingesperrt. Die erzählte auch, dass sie regelmäßig von Mitgliedern ihrer Familie geschlagen werde. Man habe sie bedroht: Falls sie das Haus verlasse, werde man sie töten.

Auf eigenen Wunsch wurde Akçal nun zur Provinzdirektion des Familien- und Sozialministeriums gebracht. Dort wurde den Polizeibeamten aufgetragen, das Mädchen zu schützen und sie nach Hause zu begleiten, um einige persönliche Habseligkeiten zu holen. Doch unmittelbar nachdem Akçal dort ankam entbrannte ein heftiger Kampf zwischen der jungen Frau, ihrem Vater Osman, dem 23-jährigen Bruder Üzeyir sowie dem 17-jährigen Bruder Mehmet. Mitten in diesem Tumult wurde Akçal drei Mal in Brust und Magen gestochen. Sie starb nur wenig später im staatlichen Krankenhaus von Kahta. Ihr Vater sowie die zwei Brüder, beide hatten ein Messer in der Hand, wurden noch vor Ort verhaftet.

Vergewaltigung: Opfer muss Täter heiraten

Mit ihrem Schicksal ist Akçal dieser Tage jedoch nicht allein. Wie türkische Medien weiter berichten, erregt auch der Fall eines erst 15-jährigen Mädchens derzeit das Aufsehen der Bevölkerung. Nach einer Gruppenvergewaltigung im vergangenen April wurde sie schwanger und wurde mit dem 33-jährigen Haupttäter des Angriffs verheiratet. Nach einer Prügelattacke durch ihren Ehemann landete die Kleine Anfang dieser Woche im Karşıyaka Krankenhaus in İzmir. Der Mann wurde, nachdem das Krankenhauspersonal die Polizei über das Alter des Mädchens informierte, in Gewahrsam genommen. Doch gegen eine Kaution kam er wieder auf freien Fuß.

Das Drama der 15-Jährigen begann vor acht Monaten. Damals folgte sie einer Einladung des 33-Jährigen zu ihm nach Hause in der Gegend von İkiçeşmelik in İzmir. Dort wurde sie von ihm und drei seiner Freunde vergewaltigt. Die Männer drohten ihr, nichts zu ihrer Familie zu sagen und schickten sie wieder nach hause. Vier Monate später bemerkte sie, dass sie schwanger war. Sofort erzählte sie ihren Eltern, was sich zugetragen hatte. Diese entschieden jedoch, dass es das Beste wäre, wenn ihre Tochter den Täter heirate. Sie bestellten ihn zu sich und die Heirat wurde ausgemacht. Nach der Hochzeit, aber noch vor der standesamtlichen Trauung, lebten beide in Gümüşpala.

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