Davutoğlu: Frankreich hat Status auf Kosten anderer erreicht!

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu hat die französische Staatsspitze beschuldigt, "das, was sie heute sind", im Laufe der Historie nur durch Schmerz und das Leid anderer erreicht zu haben. Gleichzeitig sandte er eine Botschaft in Richtung Armenien: Jeder Schmerz verdiene Respekt, solange dieser auf Gegenseitigkeit beruhe.

+++ Aktuell: Genozid-Gesetz: Türkei droht Frankreich mit weiteren Sanktionen +++ Nach Genozid-Urteil: Ehemaliger Spieler von Beşiktaş will französischen Namen ablegen +++ Armenischer Erzbischof: Wir wollen keine Einmischung von außen!

Der türkische Außenminister Davutoğlu während seiner Rede anlässlich der Konferenz zum 100. Jahrestag der Balkankriege. (Foto: DTN)

Der türkische Außenminister Davutoğlu während seiner Rede anlässlich der Konferenz zum 100. Jahrestag der Balkankriege. (Foto: DTN)

Kurz nachdem der Nationale Sicherheitsrat Frankreich vor weiteren Sanktionen gewarnt hat (falls der Senat dem Genozid-Gesetz zustimme, werde sich das Verhältnis weiter verschärfen – mehr hier), wandte sich nun auch der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu am vergangenen Donnerstag bei einer Konferenz in Edirne im Nordwesten der Türkei in Richtung der französischen Abgeordneten: “Setzt Eure imperialistischen Pläne nicht um, indem ihr anderen Schmerzen bereitet.” Dabei erinnerte der Staatsmann an das Leid der Bevölkerung nach dem Ersten Weltkrieg als der Süden der Türkei unter französischer Besatzung stand.

Davutoğlu erinnert an Märtyrer von Gallipoli

Im Rahmen der Konferenz unter dem Titel “From Balkan War to Balkan Peace” anlässlich des hundertsten Jahrestages der Balkankriege erinnerte Davutoğlu an die Zeit um 1915 als die Türkei gleich an mehreren Fronten gegen eine große Zahl westlicher Gegner kämpfte. Allein in Gallipoli habe man damals 250,000 Männer verloren. An Frankreich gerichtet, denen er  aus “politischem Vorteil” heraus eine einseitige Perspektive der Geschichte von 1915 vorwirft, erklärte er: “Ihr habt 1915 nicht gelitten. Diejenigen, die gelitten haben, waren die 250,000 Märtyrer in Gallipoli.” Frankreich, so betont Davutoğlu in Richtung der französischen Führung gewandt, wäre heute nicht das, was es sei, wenn es “anderen kein Leid zugefügt” hätte und auch jetzt “versuchen sie, die Geschichte auf dem Schmerz der anderen zu bauen.”

Mustafa Kemal Atatürk versus Nicolas Sarkozy

Anders als der französische Präsident Nicolas Sarkozy, habe zu jener Zeit der türkische Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk nach dem Konflikt seine “friedliche Hand” auch solchen Ländern gereicht, gegen die er noch während des Unabhängigkeitskrieges kämpfte. Das, so Davutoğlu entschieden, sei der gravierende Unterschied zwischen Atatürk damals und Sarkozy heute.

In Richtung der Armenier gewandt betonte der türkische Außenminister, dass alle Armenier Nachbarn der Türkei wären. Man teile das gleiche Land. Die Türken würden die Armenier respektieren. “Wir teilen ihren Schmerz, wenn sie unseren Schmerz ebenfalls respektieren”, so Davutoğlu weiter. Noch einmal wies er darauf hin, dass eine “gerechte Erinnerung” an die Ereignisse von 1915 die Lösung des Konflikts sein würde. Bereits zu Wochenanfang forderte der armenisch-apostolische Erzbischof von Istanbul, Aram Ateşya, dass die Armenier in der Türkei keine Einmischung von außen wollen würden (dritte Parteien würden den Konflikt im Land nur weiter verschärfen – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Trotz Polizeischutz: Türkisches Mädchen wird von eigenen Brüdern ermordet
Nach Luftangriff: Wie zuverlässig arbeitet der türkische Geheimdienst?
Abdullah Gül: „Ich habe keine politischen Ambitionen“

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.