Şırnak: Oberstaatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein

Drei Tage nach dem Luftangriff nahe der irakischen Grenze machen sich Behörden an die Aufklärung des Falls. Für Kritiker allerdings ist der Geheimdienst der Hauptübeltäter – sie fordern Aufklärung durch die UN.

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Die Oberstaatsanwaltschaft in Diyarbakır hat am Freitag eine Ermittlung zum Tod von 35 Menschen durch einen militärischen Luftangriff eingeleitet. Dieser hatte sich Mittwoch in der Stadt Uludere im Bezirk Şırnak an der Grenze zum Irak ereignet. Die Menschen waren versehentlich ums Leben gekommen, so die Politiker. Der Luftangriff hatte eigentlich der PKK gegolten. Bei den Opfern handelte es sich um Schmuggler.

Selten in dem 27 Jahre langen Kampf mit der PKK waren so viele Menschen an einem Tag umgekommen wie am vergangenen Mittwoch. Das Ereignis sorgte für heftige Reaktionen aus dem ganzen Land. Auch Präsident Abdullah Gül und Ministerpräsident Tayyip Erdoğan äußerten sich am Freitag nach dem Gebet zu dem Vorfall.

Gül verlieh seinem tiefen Bedauern Ausdruck und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Außerdem versicherte er, der Vorfall würde gründlich untersucht werden.

Ministerpräsident Erdoğan hingegen bezeichnete die Todesfälle als „unglücklich und traurig“, wie die Tageszeitung Zaman berichtet. Vehement kritisierte er die Art, wie sich manche Tageszeitungen zu dem Vorfall geäußert hatten. Damit bezog er sich besonders auf eine Überschrift der Tageszeitung Taraf vom Freitag, die lautete: „Der Staat beschießt seine eigenen Leute“ und bezeichnete sie als mitleidlos. „Vielleicht ist so etwas in der Vergangenheit passiert, aber unter unserer Regierung wird so etwas sicher niemals vorkommen“, so der Ministerpräsident.

Erdoğan sagte, dass die Schmuggler normalerweise die Grenzen in kleinen Gruppen passieren würden. Dieses Mal aber sei eine große Gruppe beoachtet worten, was Grund zu der Vermutung gab, es würde sich um eine Gruppe von Terroristen handeln, die militärische Ziele angreifen wollten.

Vermutungen, dass der Vorfall auf die Rechnung des Geheimdiestes (MİT) geht, lehnte er ebenso entschieden ab. Bereits am Freitag hatte MİT in einer Erklärung mitgeteilt, er sei für die Vorfälle nicht verantwortlich und werde mit den anderen Institutionen daran arbeiten, den Fall aufzuklären.

Dessen ungeachtet beharrte der Kolumnist der Tageszeitung Taraf Mehmet Baransu auf diesen Behauptungen. Sein Argument: Der Geheimdienst handelt aufgrund von Informationen, die er von einem Agenten innerhalb der PKK bekommt.

Während auch die Luftwaffe (TSK) ihr Beileid gegenüber den Familien der Opfer ausdrückte, forderten Menschenrechtsorganisationen UN geleitete Ermittlungen.

 

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