Türkei: Nach fast 50 Jahren griechische Schule wieder eröffnet

Die griechische Minderheit in der Türkei schrumpft zusehends. Die Wiedereröffnung einer griechischen Grundschule hat daher einen besonderen, vor allem symbolischen Wert.

Auf der Insel Gökçeada im ägäischen Meer soll nach fast 50 Jahren wieder eine griechische Schule eröffnet werden. Die Grundschule war 1964 unter İsmet İnönü geschlossen worden. Die griechische Gemeinde auf der Insel hatte einen Antrag gestellt, der nun bewilligt wurde.

Wie der Vertreter der Stiftung für Minderheiten des Bildungsministeriums, Laki Vingas, mitteilte, wurden die ersten Schritte eingeleitet, damit der Unterricht an der Schule bald beginnen kann. (An andere Stelle hatte sich Vingas geäußert, die Situation der Minderheiten verbessere sich zunehmend – mehr hier) Der Nachrichtensender ntv beruft sich auf die Tageszeitung Milliyet, nach der Vingas mündlich zugesagt worden sei, dass der Schulbetrieb wieder aufgenommen würde. Alles Weitere sei von den Bewohnern der Insel zu regeln.

Da auf der Insel zurzeit gerade einmal 180-200 Griechen leben, hat die Wiedereröffnung der Schule vor allem symbolischen Wert. „Auch wenn nur 10 Schüler die Schule besuchen, ist die Eröffnung sehr wichtig, denn sie ist eine Hoffnung für die Zukunft“, so Vinga.

Es ist zu erwarten, dass durch die Wiedereröffnung der Schule ehemalige Bewohner der Insel, die nach Istanbul oder Athen, aber auch in die ganze Welt ausgewandert waren, eventuell wieder zurückkommen.

„Die Eröffnung macht zumindest einen Teil der damaligen Ungerechtigkeiten wieder gut“, zitiert der Nachrichtensender ntv ein Mitglied der griechischen Gemeinde der Insel. „Die Eröffnung der Schule wird die Entscheidung derjenigen Griechen beeinflussen, die mit dem Gedanken spielen, zur Insel zurückzukehren“, so der Vorsitzende der Gemeinde der Bewohner von Gökçeada, Kostas Hristoforidis.

Die neue Schule wird vermutlich entweder auf den Grundstücken Zeytinliköy oder Tepeköy eröffnet werden, die beide der Minderheit gehören.

Mit dem Vertrag von Lausanne wurden die Griechen offiziell als Minderheit anerkannt. Damit konnten sie ihre eigenen Schulen verwalten. Insgesamt mussten über 50.000 Griechen die Türkei verlassen. Die Auseinandersetzungen um Zypern 1964 wurden zum Anlass genommen, um noch mehr Griechen des Landes zu verweisen. Während 1936 noch über 130.000 Griechen in der Türkei leben, sind es heute weniger als 2.000. 1960 lebten noch über 5.000 Griechen auf der Insel Gökçeada, heute sind es nur noch um die 180.

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