Hrant Dink-Mord: Hält die türkische Polizei belastendes Beweismaterial zurück?

Fünf Jahre nach dem Mord an dem armenischen Journalisten Hrant Dink, halten Gericht und Staatsanwalt noch immer Beweismaterial zurück, sagt die Anwältin der Familie, Fahriye Çetin. Der Mord hätte verhindert werden können, sagt sie.

Fünf Jahre nach dem Mord an dem armenischen Journalisten Hrant Dink werden die wahren Straftäter noch immer geschützt. Das ist die Meinung der Rechtsanwältin Fehtiye Çetin, die die Familie Dink bei der Aufklärung des Mordes vertritt.

„2008 verlangten wir eine Aufzeichnung der Telefongespräche, die in der Umgebung des Mordanschlags am dem Tag gemacht wurden. Wir bekamen diese Aufzeichnungen vom Gericht nur eine Woche bevor der Fall geschlossen werden wollte. Außerdem gab die Polizei dem Gericht falsche Informationen über die Aufzeichnungen der Telefongespräche“, zitiert die Tageszeitung Zaman die Anwältin. Sie nahm Stellung zu der 24. Anhörung, die am Montag im 14. Strafgericht stattfand.

Die Anwältin, Çetin, machte deutlich, dass die investigierenden Polizisten angegeben hatten, keine Telefongespräche am Tag der Ermordung ausfindig machen zu können. Den Anwälten der Familie von Dink jedoch war es trotz ihrer begrenzten Mittel gelungen, mindestens fünf Handynummern ausfindig zu machen von Menschen, die am Tatort anwesend gewesen waren und die mit den beiden Verdächtigen Mustafa Öztürk und Sahil Hacısalihoğlu in direkten Zusammenhang gebracht werden konnten. Das Direktorat für Kommunikation (TİB) sagte aus, dass über 6.000 Gespräche in der Umgebung des Mordes geführt wurden und dass über 9.000 Personen zu der Zeit Handys mit sich trugen. Es sagte außerdem aus, dass ihre Aufzeichnungen keine Verbindung zu den Handys aufzeigten.

„Die Aussage der TİB ist nicht richtig”, so Çetin. Von einer der zur Tatzeit anwesenden Handynummern waren 19 Anrufe an den Verdächtigen Mustafa Öztürk gegangen.

Nicht zum ersten Mal haben die Anwälte der Familie Dink feststellen müssen, dass ihnen Informationen von der Staatsanwaltschaft oder vom Gericht vorenthalten wurden. Vieles deutet darauf hin, dass der Mord hätte verhindert werde können.

Der Herausgeber der armenischen Zeitung Agos, Hrant Dink, war am 19. Januar 2007 am helllichten Tag vor den Büroräumen der Zeitung erschossen worden. Die Tat hatte ein ultranationalistischer Jugendlicher begangen. Während er und seine Komplizen verurteilt wurden, ist noch immer nicht geklärt, wer die Tat federführend geplant hat.

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