Erdoğans Sündenbock: Eine heimliche „Lobby“ treibt die Zinsen in der Türkei nach oben

Der türkische Premierminister Erdoğan verfolgt eine türkische „Zinslobby“, die der Grund einer Verdoppelung der Zinssätze innerhalb eines Jahres sein sollen. Volkwirtschaftler widersprechen: Erdoğan lenke damit nur von seinen eigenen Fehlern ab.

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Um die Kursverluste der Lira (die sich 2012 viel besser entwickeln sollte – mehr dazu hier) und die hohe Inflation (die sich 2011 gegenüber Dollar und Euro stark verschlechtert hatte – mehr dazu hier) einzudämmen, hat die türkische Zentralbank die Zinsen für Banken, die sich von der Zentralbank Geld leihen, mehr als verdoppelt. Das hat dazu geführt, dass Banken wie die Turkiye Garanti Bankasi AS ihren Kunden nun mehr als 20% an Zinsen pro Jahr verrechnen. Vor einem Jahr lag der Zinnsatz noch bei etwa 10%.

Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan verdächtigt eine so genannte „Zinslobby“ hinter den hohen Zinsen. Sein Wirtschaftsminister Zafer Caglayan und er spekulieren, dass die Lobby versucht, die Türkei zu höheren Zinssätzen zu zwingen. Damit können dann höhere Gewinne eingefahren werden.

„Die Zinslobby existiert. Sie attackiert derzeit das System“, sagte Erdoğan in einem Bericht der Anatolia Nachrichtenagentur. „Wir werden die Lobby aber nicht in Ruhe lassen, denn sonst würde die Kaufkraft aller Türken sinken.“ Und wenn die Kosten einer Kreditaufnahme weiter steigen, bringe das das gesamte wirtschaftliche Wachstum in Gefahr.

Erdoğan: Inflation entwickelt sich wie Marktzinssatz

Erdoğan fordert nun eine Angleichung des Referenzzinssatzes der Zentralbank und des derzeit marktüblichen Zinssatzes: „Die Inflation wird sich genau so wie der Marktzinnsatz entwickeln“, sagte Erdoğan. Niedrigere Zinssätze würden also auch niedrigere Inflationsraten mit sich bringen.

„Stimmt nicht“, meinen die Volkswirtschaftler. Die Regierung suche nur nach Feinden, um von den eigenen wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen abzulenken. Erdoğans Aussagen lassen vielmehr „Zweifel über die Unabhängigkeit der Zentralbank“ aufkommen, sagt Tim Ash, Chefvolkswirt bei der Royal Bank of Scotland in London.

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