Türkisches Leistungsbilanzdefizit schrumpft zum ersten Mal seit zwei Jahren

Kurzes Aufatmen in der Türkei: Die Differenz zwischen den Exporten und den Importen des Landes ist kleiner geworden. Trotzdem kaufen noch viele Türken importierte Produkte auf Kredit und das Land bleibt abhängig von Energieimporten.

Zum ersten Mal seit zwei Jahren ist das türkische Leistungsbilanzdefizit wieder geschrumpft (und dieses Defizit bereitet auch 2012 Unsicherheit – mehr dazu hier). Die Leistungsbilanz umfasst alle Exporte und Importe von Gütern und Dienstleistungen. Der Saldo daraus ist eine wichtige volkswirtschaftliche Größe, um die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft eines Landes zu beurteilen.

Im November 2011 hatten die türkischen Importe an Waren und Dienstleistungen die Exporte um 5,2 Milliarden Dollar übertroffen. Im November 2010 lag dieser Wert noch bei 6 Milliarden Dollar.

Länder wie China, Deutschland, Japan, Russland, Norwegen oder die Schweiz erwirtschaften regelmäßig einen kräftigen Leistungsbilanzüberschuss. Die Türkei findet sich im internationalen Vergleich eher am unteren Ende der Skala mit Ländern wie den USA, Spanien, Italien oder Griechenland wieder.

Ein Grund dafür, dass die Türkei viel mehr importiert als exportiert, liegt an der Energiewirtschaft: Die Türkei muss fast ihren gesamten Bedarf an Energie aus dem Ausland beziehen (das soll aber nicht immer so bleiben – mehr dazu hier). Gleichzeitig werden importierte Konsumgüter immer beliebter. All das habe das Leistungsbilanzdefizit in die Höhe getrieben, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Zentralbank-Gouverneur Erdem Basci sieht die auf Kredit finanzierte Nachfrage nach importierten Gütern als Hauptgrund für das hohe Leistungsbilanzdefizit. Die Zentralbank habe deshalb schon in der Vergangenheit die Möglichkeiten der Banken, Geld zu verleihen, deutlich eingeschränkt.

„Die Türkei müsste das Schlimmste nun überstanden haben. Aber es geht zu langsam voran“, sagte Manik Narain, ein Stratege bei der Bank UBS in London. „Die schlimmsten Nachrichten sind Geschichte, aber die Lage ist deshalb noch lange nicht nachhaltig.“

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