Türkei: EU-Haltung ist ein „Schnitt ins eigene Fleisch“

Der türkische Finanzminister Mehmet Şimşek kritisiert im CNN-Interview die EU scharf. Die derzeitige Haltung gegenüber der Türkei „zerstört die Unterstützung des Wandels im Land“. Die Türkei bekomme derzeit nur gezeigt, dass sie „nicht gemocht und nicht gewollt“ werde.

+++ aktuell: Rauf Denktaş: Gründer der Türkischen Republik Zypern stirbt mit 88 Jahren+++ Türkei: 19. Mai Feiern in Stadien verboten +++

Eigentlich können sich die Türken jetzt zurücklehnen und mit Schadenfreude die Situation der EU beobachten. Die Türkei verzeichnet ein Wirtschaftswachstum, von dem die meisten EU-Staaten, und damit ist nicht nur Griechenland gemeint, nur träumen können (2012 gerät das Wachstum in der Türkei allerdings auch langsam ins Stocken – mehr dazu hier).

Finanzminister Mehmet Şimşek erklärt „CNN“ im Interview, Europa verpasse mit der ablehnenden Haltung gegenüber der Türkei eine riesen Chance. Von europäischer Seite bekomme die Türkei nur gezeigt, dass sie „nicht gemocht und nicht gewollt“ werde, so Şimşek. Diese Haltung „zerstört die Unterstützung des Wandels im Land“.

Die EU „schneidet sich ins eigene Fleisch, indem sie die Türkei auf Abstand hält. Ich denke das ist falsch, aber gleichzeitig hat meine Partei rund 50 Prozent der Stimmen erhalten und unsere Reihen unterstützen sehr stark den EU-Beitritt. Das heißt, die Menschen wollen immer noch den Wandel.“

Şimşek betont, die Türkei habe gute Argumente für einen Beitritt, doch diese würden überschattet von der Frage, ob die Türkei überhaupt zu Europa gehöre. „Die Türkei und Europa brauchen sich gegenseitig“, sagt er. Nicht alle EU-Staaten lehnen einen Beitritt so vehement ab wie Frankreich (die Beziehungen zwischen der Türkei und Frankreich sind derzeit ohnehin belastet – mehr dazu hier).

David Cameron führt immer wieder die wirtschaftlichen Erfolge der Türkei als Beitrittsgrund an. Trotzdem werden weitere Reformen, besonders im Bereich der Justiz verlangt (Prozessdauern sollen zukünftig maßgeblich verkürzt werden – mehr hier).

Şimşek meint, ein EU-Beitritt der Türkei wäre ein starkes Signal. „Du kannst mit dem Westen sein. Du kannst säkular sein. Du kannst Muslim sein. Du kannst wohlhabend sein. Du kannst stabil sein.“

Die eigentliche Frage ist: Braucht die Türkei dieses Signal der EU? Auch ohne einen Beitritt müssen die Reformen weitergehen. Die Türkei ist auf einem guten Weg. Eine Ablehnung der EU darf nicht zu Verdruss führen. Den eigenen Fortschritt muss sich die Türkei nicht von der EU bestätigen lassen.

Das Interview:

Mehr zum Thema:

Sarkozy: Türkei ist nicht Teil Europas
Sind die Kroaten die besseren Europäer?
NYT: Türkei kann von Beitrittsverhandlungen ausgeschlossen werden!


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.