Türkisches Machtspiel: Waffen aus den USA anstatt aus Italien, Frankreich und Israel

Die Türkei verscherzt es sich zusehends mit seinen alten Verbündeten. Das wirkt sich auch auf die Verteidigungs-Bündnisse aus. Jetzt haben die USA das Monopol im türkischen Waffensektor.

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Die Türkei setzt ihre Waffenbeschaffungs-Kapazität bewusst als außenpolitisches Instrument ein, so die Meinung von Analysten. Im internationalen Wettbewerb liegen die USA zurzeit weit vorne. Während die europäischen Staaten im Waffenhandel mit der Türkei mittlerweile so gut wie aus dem Rennen sind, haben sich die USA quasi ein Monopol gesichert. Das berichtet die Tageszeitung Hürriyet.

Es sei nicht das erste Mal, dass Ankara als außenpolitisches Instrument Länder auf die schwarze Liste gesetzt hätte, zitiert die Zeitung einen der Analysten. „Die jüngsten Auseinandersetzungen mit Israel und Frankreich und das Verhältnis zu Italien, das sich etwas verschlechtert hat, sind der Grund, weshalb US-Firmen Wettbewerbsbedingungen vorfinden, wie es sie jahrelang nicht gab“.

Bis 2010 hatte die USA bei den Türken einen schweren Stand

Erst vor kurzem haben US-Firmen zwei Verträge an Land ziehen können und haben die Favoritenposition bei zwei anderen. Im April vergangenen Jahres hatte sich das US-Unternehmen Sikorsky Aircraft gegen die italienische Agusta Westland durchsetzen können. Das mehrere Milliarden schwere Projekt sieht die Co-Produktion bei mehr als 100 T-70 Hubschraubern vor, einer türkischen Version der amerikanische S-70 Black Hawk International.

Dagegen war es den USA in den Jahren 2000 bis 2010 immer wieder nicht gelungen, sich Verträge mit der Türkei zu sichern. Bis 2011 war das italienische Unternehmen Finmeccina der Top-Spieler auf dem türkischen Markt. Ihm gelang es, jeden Vertrag in den Jahren 2006 und 2007 zu erhalten. Doch die Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung zwischen den beiden Staaten wurde schwächer, besonders seitdem die Regierung von Silvio Berlusconi seit November nicht mehr an der Macht ist.

Ein weiterer Konkurrent der USA war Israel. Doch auch dieses Verhältnis verschlechterte sich nachdem die diplomatischen Beziehungen eingefroren wurden. (Israel stürmt Gaza Hilfsschiffe, mehr hier) Auch das Verhältnis zu Frankreich litt an den jüngsten politischen Entwicklungen (Frankreich verbietet Leugnung des Völkermords an Armeniern, mehr hier)

Beschaffung von Weitstreckenraketen für vier Milliarden Dollar

Im neuesten Wettbewerb geht es um die Beschaffung von Weitstreckenraketen (Die Türkei will selber welche bauen, mehr hier) sowie Luftwaffen-Verteidigungssysteme im Wert von vier Milliarden US-Dollar. Unter den Konkurrenten sind Raytheon und Lockheed Martin aus den USA, Eurosam, Rosoboronexport aus Russland und CPMIEC aus China. Eurosam gehört anteilig MBDA – das britische BAE Sytems, das italienische Finmeddanica und das pan-europäische EADS – sowie Thales. aus Frankreich.

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