Kinder in Deutschland: Deutsch ist Fremdsprache!

Mangelnde Deutschkenntnisse sind nicht auf Kinder mit Migrationshintergrund beschränkt. Bildungsferne Eltern können ihren Kindern nicht den nötigen Input geben. Ein soziales Problem, dessen Gründe tief liegen. Fast jedes zweite Kind mit Migrationshintergrund und jedes zehnte deutsche Kind weist im Vorschulalter Sprachdefizite auf.

Aktuell: Extreme Kälte: Gasverbrauch in der Türkei auf Rekordniveau

Der Bedarf an frühkindlicher Sprachförderung ist in Deutschland hoch: Jedes zweite bis dritte Kind mit Migrationshintergrund, aber auch etwa jedes zehnte Kind, das mit Deutsch als Muttersprache aufwächst, weist im Vorschulalter Sprachdefizite auf. Diese Kinder dürften ohne zusätzliche Förderung Probleme haben, dem Schulunterricht zu folgen, heißt es in einem neuen Discussion Paper des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

Nicht nur der Migrantenanteil an der Bevölkerung nimmt zu. In den Ballungszentren steigt auch der Anteil der Eltern mit sehr niedrigem Bildungsstand. Beides sind Risikofaktoren, die sprachliche Defizite begünstigen: Eltern mit niedrigem Bildungsniveau bieten ihren Kindern mitunter nicht die Menge und Art an Sprachgelegenheiten, die für einen reibungslosen Spracherwerb nötig sind.

An sprachlicher Anregung speziell im Deutschen mangelt es hingegen in Familien, in denen die Eltern nicht oder nur schlecht Deutsch sprechen. In diesen Fällen ist es schon allein wegen der emotionalen Bindung besser, wenn das Kind innerhalb der Familie die Herkunftssprache der Eltern erwirbt. Ein fehlerhaftes deutsches Sprachangebot würde ohnehin nicht zu muttersprachlicher Kompetenz führen. Wichtig ist dann aber, dass das Kind frühzeitig und regelmäßig außerhalb der Familie mit dem Deutschen in Kontakt kommt.

Als einen wesentlichen Grund für die Sprachdefizite von Kindern macht das Discussion Paper jedoch das fehlende „Sprachbad“ in der Gesellschaft aus. Denn der so bezeichnete tägliche Umgang mit der Sprache, der für einen mühelosen Erwerb des Deutschen nötig wäre, ist im Leben vieler Kinder keine Selbstverständlichkeit. So geht ein Drittel der nicht-deutschsprachigen Kinder in eine Kita, in der die Mehrheit der anderen Kinder ebenfalls nicht mit Deutsch als Muttersprache aufwächst. Es ist daher entscheidend, dass das Personal in den Kindergärten für das Thema sensibilisiert und darin geschult wird, wie es die Sprachkompetenz ihrer Schützlinge fördern kann. „Die Förderung ist oft zu kurz und die Kursleiter sind nicht ausreichend auf ihre Aufgabe vorbereitet“, sagt Tanja Kiziak, Bildungsexpertin beim Berlin-Institut. „Einzelne Sprachkurse können die Sprachförderung im Alltag auch nicht ersetzen, sondern bestenfalls ergänzen“.

Die Experten des Berlin-Instituts beschreiben neun Kernelemente für eine erfolgreiche Sprachförderung: Dazu gehören unter anderem der systematische Einbezug der Erstsprache des Kindes, die kontinuierliche Schärfung des Sprachbewusstseins der Erzieherinnen und Erzieher sowie die individuelle Förderung der Kinder entsprechend ihres Sprachentwicklungsstandes. Und nicht zuletzt: dem Spracherwerb Zeit zu geben.

Das Discussion Paper ist mit Unterstützung der Siemens Stiftung entstanden. „Die Arbeit bestätigt uns in unserem Vorhaben, frühkindliche Sprachförderung in Deutschland auch in den nächsten Jahren nachhaltig zu fördern. Wir werden nun versuchen, uns dabei noch stärker auf die im Discussion Paper herausgearbeiteten Ansatzpunkte effektiver Sprachförderung zu konzentrieren“, betont Barbara Filtzinger von der Siemens Stiftung. Die Siemens Stiftung setzt sich für ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft ein. Der Spracherwerb bildet hierbei eine Schnittstelle: Sprache ist die Grundlage für optimale Bildungs- und Lebenschancen. Die Siemens Stiftung unterstützt daher besonders Kinder mit Migrationshintergrund ab dem dritten Lebensjahr beim Erlernen der deutschen Sprache.

Mehr zum Thema:

Türkisch: Eine Herausforderung für das Gehirn 
„Für die ‚beste‘ Bildung muss man Deutsch können“ 
Ausbildungsplätze: Ministerin kritisiert Diskriminierung von Türken 

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.