Größte Massenproteste seit Jahren: Türken gehen für Hrant Dink auf die Straße

Fast 10.000 Menschen versammelten sich am fünften Jahrestag der Ermordung des Armeniers Hrant Dink in Istanbul und protestierten gegen die richterliche Entscheidung, die Tat sei die eines Einzeltäters gewesen.

Am 5. Jahrestag der Ermordung des Journalisten Hrant Dink gingen fast 10.000 Menschen in der Türkei auf die Straße. (Foto:DTN)

Am 5. Jahrestag der Ermordung des Journalisten Hrant Dink gingen fast 10.000 Menschen in der Türkei auf die Straße. (Foto:DTN)

Lebenslange Haft lautete das Urteil des Gerichts für den 31-jährigen Täter Yasil Hayal. Ogün Samast, damals minderjährig, hatte nach Augenzeugenberichten den armenischen Journalisten Hrant Dink am 19. Januar 2007 auf offener Straße vor der Redaktion der armenischen Zeitung „Agos“ erschossen. Yasil Hayal soll ihn dazu gedrängt haben.

Gegen das Urteil wurde heftig protestiert, denn hinter dem Mord wird eine Organisation vermutet (die Polizei könnte belastendes Beweismaterial zurückgehalten haben – mehr hier). Wegen seiner Haltung zum Völkermord wurde Dink massiv bedroht. Erdoğan erklärte zum Dink Prozess, dieser sei noch lange nicht abgeschlossen. Die Gerichtsverhandlung sei nun der Berufungsphase (die Anwältin der Familie Dink hatte schon angekündigt, in Berufung zu gehen – mehr hier).

Ziel der Menschenmenge war der Ort, an dem er 2007 getötet wurde. (Foto:DTN)

Ziel der Menschenmenge war der Ort, an dem er 2007 getötet wurde. (Foto:DTN)

Eine Freundin von Dink, Karin Karakaş, erklärte, dass einige der inhaftierten Ergenekon-Verdächtigen Dink zu Lebzeiten massiv gedroht hätten, ihn zu ermorden. Der Dink-Mord müsse im Zusammenhang mit den Ergenekon-Prozessen gesehen werden (sogar der Ex-Generalstabschef könnte Mitglied der Untergrundorganisation gewesen sein – mehr hier).

Am Donnerstag marschierten Protestierende von Taksim aus zu dem Ort, an dem Dink ermordert wurde. Sie hielten Schilder mit der Aufschrift: „Wir alle sind Hrant. Wir alle sind Armenier“ in den Händen und solidarisierten sich so mit ihm und seiner Familie.

Mehr zum Thema:

Urteil im Hrant Dink-Prozess: Keine Organisation an Mord beteiligt
Ergenekon: Sieben Verdächtige aus Haft entlassen

Hrant Dinks Bruder: Genozid-Gesetz verstößt gegen Meinungsfreiheit!

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.