Can Bonomo: Eurovision-Kandidat spaltet die Türkei

Bis zum Eurovision Song Contest ist es noch eine Weile hin. Schon jetzt ist eine Grundsatzfrage in der Türkei entbrannt: Kann nur ein Muslim die Türkei vertreten?

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Can Bonomos Auswahl als Eurovision Kandidat für die Türkei kam für alle überraschend (die Auswahl lief ohne Abstimmung ab – mehr dazu hier). Seine Teilnahme am Eurovision ist umstritten. In der Türkei hat der Musikwettbewerb, eine anderes Image als in Deutschland. Seit 1975 ist die Türkei Teil des Contests, der jedes Jahr im gesamten Land genau verfolgt wird. Die türkische Radio- und Fernsehanstalt TRT hatte bisher auf erfahrenere Musiker gesetzt. Mit Sertab Erener gelang es 2003 endlich den Wettbewerb zu gewinnen. Sie setzte auf einen englischen Titel (das will auch Can Bonomo – mehr hier).

http://www.youtube.com/watch?v=YLaVe6GOoUk

Die Verwunderung über die Wahl des TRT zielte zunächst auf den musikalischen Bereich ab. Bonomo ist in der Türkei noch ein Newcomer und nicht sehr bekannt. Seine Musik nennt er selbst „alternativ“. Für Rocker Kıraç, der auch als Kandidat im Gespräch war, ist Bonomo ein „Amateur“ (er meint, die Türkei werde sich dafür schämen, wenn der Song auf Englisch sein wird – mehr dazu hier). Es kam auch eine andere Frage auf. In einem TV-Interview fragte ihn die Moderatorin, ob er Jude sei. Seine Antwort sollte die Diskussion eigentlich hinfällig machen: „Die Musik kennt keine sprache Religion oder Rasse. Ich bin Türke. Das Judentum ist eine Religion. In der Türkei leben 36 verschiedene Ethnien. Wir sind seit 540 Jahren hier. Das hat nichts mit der Sache zu tun. Das hat nichts mit Israel zu tun. Wir sind vor 540 Jahren aus Spanien hergekommen. Ich bin Türke und werde die Türkei vertreten.“

http://www.youtube.com/watch?v=U8twVmL6UIs&feature=related

Ali Topuz, Kolumnist der Zeitung „Radikal“, ist empört darüber, dass die Moderatorin Ece Üner überhaupt so eine Frage stellt, denn „die Verfassung verbietet es, dass Personen gezwungen werden, sich zu ihrer religiösen, politischen oder philosophischen Meinung zu äußern“.

Hıncal Uluç, Kolumnist der Tageszeitung „Sabah“ zeigt sich erfreut über die Entscheidung, Can Bonomo nach Baku zu schicken, denn die Türkei habe noch „eine Schuld“ zu begleichen. Maria Rita Epik, ebenfalls eine türkische Jüdin aus Izmir, gewann 1979 das Türkei-Finale zum Eurovision mit ihrem Lied „Seviyorum“. Aufgrund politischer Probleme mit Israel zog sich die Türkei aus dem Wettbewerb zurück.

http://www.youtube.com/watch?v=35JPcIOxTis

Uluç meint, die Äußerung von Ali Topuz sei genauso falsch. Diese Frage dürfe man stellen, denn niemand müsse sich für seine Religion oder Herkunft schämen. Er sagt: „Gut, dass diese Frage gestellt wurde und gut, dass Bonomo mit stolz geantwortet hat ‚ich bin Jude und seit 500 Jahren Türke’“. Er beglückwünscht TRT für die Entscheidung und glaubt, Bonomo werde die Türkei auf die beste Weise vertreten.

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