Salman Rushdie: Indische Behörden gaben Falschinformationen heraus!

Aus Angst um sein Leben hat der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie am vergangenen Freitag seine Teilnahme an einem Literaturfestival in Jaipur abgesagt. Jetzt stellt sich heraus: Die Morddrohungen, die ihm von Behörden im Bundesstaat Rajasthan vorgelegt wurden, waren frei erfunden.

Salman Rushdie ist außer sich: „Man hat mich angelogen. Ich bin schockiert und sehr wütend“, schreibt der Autor der „Satanischen Verse“ am vergangenen Sonntag auf seinem Twitter-Account. Mit erfundenen Morddrohungen, so glaubt er, hätten ihn die indischen Behörden geködert. Bezahlte Attentäter, das hätte man ihm zumindest gesagt, wären beauftragt worden, ihn zu töten. Seine Konsequenz: Er sagte eine Teilnahme an einem Literaturfestival in Jaipur ab. Das berichtet derzeit die BBC.

Polizei von Maharashtra bestreitet Info aus Rajasthan

Rajasthans Ministerpräsident Ashok Gehlot bezeichnet die Vorwürfe des Erfolgsautors unterdessen als „unbegründet“. In der Tat seien entsprechende geheimdienstliche Informationen noch vor Beginn des Festivals eingegangen und wären den Organisatoren des Festivals mitgeteilt worden. Dem entgegen steht die Aussage des Polizeichefs von Maharashtra. Er bestreitet, dass solche Informationen nach Rajasthan gesandt worden wären. „Wir haben keine Anhaltspunkte, dass Gangster oder Auftragskiller aus der Unterwelt von Mumbai geplant hätten Salman Rushdie zu töten. Wie hätten wir das also irgend jemandem mitteilen sollen?“, fragt K Subramaniam.

Ursprünglich hätte Salman Rushdie am vergangenen Freitag, dem Eröffnungstag des fünf Tag dauernden Festivals, in Jaipur sprechen sollen. Doch Rushdie sagte kurzfristig ab. Er erklärte, „durch nachrichtendienstliche Quellen in den Bundesstaaten Maharashtra und Rajasthan“ darüber informiert worden zu sein, dass „bezahlte Attentäter aus der Unterwelt von Mumbai auf dem Weg nach Jaipur sein könnten, um mich zu töten“.

„Die satanischen Verse“ in Indien seit 1988 verboten

Zuvor hatten einflussreiche muslimische Geistliche gegen seine Teilnahme am Literaturfestival protestiert (eine Debatte über Religion und Gewalt lösten übrigens die Attentate von Norwegen aus – mehr hier, zudem sorgte in Pakistan der Fall einer Christin für Aufsehen, die gesteinigt werden sollte – mehr hier). Sein Werk „Die satanischen Verse“, das in der gesamten muslimischen Welt für Aufsehen sorgte, ist in Indien verboten. Nicht wenige Gläubige halten es für Blasphemie.

Salman Rushdies jüngste Äußerungen kommen inmitten einer aufkommenden Kontroverse über Warnungen vor strafrechtlichen Maßnahmen gegen Autoren, die Auszüge aus den „Satanischen Versen“ vortrugen. Hari Kunzru, Amitava Kumar, Jeet Thayil und Ruchir Joshi hatten zuvor aus Protest gegen Rushdies Absage aus seinem Roman gelesen. Alle Vier verließen noch am Wochenende Jaipur, um sich einer möglichen Verhaftung zu entziehen. Festival-Organisator und Autor William Dalrymple erklärte, dass eine Menge Leute „nicht begreifen, dass selbst das Vorlesen aus einem verbotenen Buch gegen das Gesetz ist“.

Unabhängig davon haben eine Reihe von Autoren, die am Festival teilnahmen, die Regierung ersucht, das Roman-Verbot zu überdenken. Dieses besteht in Indien (dem Land zwischen Tradition und Moderne – mehr hier) bereits seit 1988 „wegen blasphemischen Inhalts, der die Gefühle der Muslime verletzt“.

Rushdie bereits 2007 beim Jaipur Literaturfestival

Salman Rushdie wurde zwar 1947 in Indien geboren, verbrachte aber die meiste Zeit seines Lebens in Großbritannien. In den vergangenen Jahren besuchte er Indien mehrere Male privat. Bereits 2007 nahm er am Jaipur Literaturfestival teil.

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