Armenier in der Türkei: Mehr Toleranz seit Dink-Ermordung

So tragisch die Ermordung an dem armenischen Journalisten Hrant Dink auch ist: Armenier in Istanbul fühlen sich heute besser respektiert als noch vor fünf Jahren. Auch die Regierung sei wesentlich toleranter als ihre Vorgänger, so der Journalist Cengiz Aktar.

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The Independent: Toleranz gegenüber Armeniern hat in den letzten fünf Jahren zugenommen

Einer Meldung der englischen Tageszeitung Independent zufolge, fühlen sich Armenier in der Türkei seit der Ermordung von Hrant Dink mehr respektiert als früher.

In dem Artikel von Patrick Cockburn heißt es, die rund 70.000 Armenier, die noch in der Türkei leben, seien nicht optimistisch, dass die türkische Regierung den Genozid anerkennen werde. „Die türkische Gesellschaft ist seht stumm. Sie wird den Genozid an den Armeniern niemals akzeptieren“, zitiert die Independent eine, die an der Kundgebung anlässlich des fünften Todestags von Hrant Dink teilgenommen hat.

Für den türkischen Journalisten und Schriftsteller Prof. Cengiz Aktar gibt es drei Gründe, weshalb sich die Türkei weigert, den Genozid anzuerkennen. Zum einen weil diejenigen, die verantwortlich dafür sind, weiter in hohen Staatspositionen gearbeitet haben.
Desweiteren, weil die ethnische Säuberung auch nach 1923 weiterging. Drittens, weil viele der Armenier aus der höher gestellten sozialen Klasse der Gesellschaft kamen und ihr Hab und Gut geplündert wurde.

Allerdings habe sich die Regierung von Erdoğan gegenüber den Armeniern in der Türkei und anderen Chirsten wesentlich toleranter als ihre Vorgänger gezeigt. Der Völkermord an den Armeniern sei kein Tabu mehr, so Cengiz Aktar. „Regierungsbeamte haben sichergestellt, dass es keine Angriffe gab auf die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung zum Völkermord am 24. April”.

Gleichzeitig jedoch äußerte er seine Bedenken, dass die Verabschiedung des Gesetzes zur Leugnung des Völkermords durch den französischen Senat in der Türkei zu einer Gegenreaktion führen könnte. Die Diskussion über die Geschichte allerdings sei davon nicht gefährdet. (Der französische Senat hat dafür gestimmt, dass die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe gestellt wird, mehr hier. Grünen-Chef Özdemir hatte zuletzt gesagt, der Umgang mit der Ermordung Dinks sei ein Test für die türkische Demokratie, hier)

Armenier in Istanbul hätten das Gefühl, respektvoller behandelt zu werden als noch vor fünf Jahren. Das läge vermutlich an der Entrüstung der Menschen über die Ermordung von Hrant Dink. (Anlässlich des fünften Todestags waren Tausende von Menschen auf die Straße gegangen, mehr hier)
Auch zitiert er Armen Kalk, einen Armenier, der ebenfalls an der Kundgebung teilgenommen hatte: „Vorher waren die Armenier Bürger zweiter Klasse. Das ist heute nicht mehr so”.

Link  zum Artikel hier.

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