Unterdrückung in Pakistan: Ahmadiyya-Gemeinde flüchtet nach Deutschland

Die Zahl der Asylantrgäge in Deutschland ist um 11 Prozent gestiegen. Ein Herkunftsland sticht besonders hervor. Die Zahl der Asylbewerber aus Pakistan hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht.

Über 2.500 Pakistaner haben im Jahr 2011 in Deutschland Asyl beantragt. Das sind zwar nicht so viele wie aus Afghanistan, dem Irak oder Syrien. Aufällig ist allerdings, dass sich die Zahl der Pakistaner innerhalb eines Jahres verdreifacht hat. Insgesamt haben 2011 fast 46.000 Menschen in Deutschland Asyl beantragt. In den vergangenen Jahren gab es keinen Umbruch in Pakistan wie in der arabischen Welt, der diesen Anstieg erklären könnte. Der Grund dafür ist schwer zu erfassen (die UN kritisiert in Deutschland die Benachteiligung von Asylbewerbern – mehr hier).

Ein Sprecher des Innenministeriums erklärt den Deutsch Türkischen Nachrichten: „Eine eindeutige Feststellung, welche Faktoren für den Anstieg der Zahl von Asylbewerbern in Deutschland aus Pakistan von 840 (2010) auf 2.539 (2011) ursächlich sind, ist nicht möglich. Es können lediglich Faktoren benannt werden, bei denen ein solcher Zusammenhang plausibel erscheint.“ Plausibel erscheint dem Ministerium, dass es sich bei der Flüchtlingsgruppe aus Pakistan um Ahmadiyya-Anhänger handeln könnte.

Ahmadis protestieren gegen Gewalttaten. (Foto:Flickr/Savaluna)

Ahmadis protestieren gegen Gewalttaten. (Foto:Flickr/Savaluna)

Es sei auffällig, dass zwei Drittel der Asylbewerber dieser islamischen Religionsgemeinschaft angehören. Die Straftaten gegen Ahmadis hätten sich in den vergangenen Jahren vermehrt (eine Christin in Pakistan hatte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen – mehr hier). „In etlichen Fällen sind Ahmadis Opfer religiös motivierter Gewalt geworden: 2010 wurden 99 Ahmadis wegen ihrer Religionszugehörigkeit ermordet, 86 von ihnen starben bei einem Terroranschlag der Taliban in Lahore“, so das Ministerium.

Weitere Anhaltspunkte für den Grund der Flucht aus Pakistan sei der “Human Development Report 2011″ des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen. Hier nehme Pakistan Rang 145 ein und „gehört damit zu den am wenigsten entwickelten Ländern. Daher dürften auch wirtschaftliche Motive eine erhebliche Rolle für die Migrationsentscheidung bilden“, so der Sprecher weiter.

Die Gemeinschaft der Ahmadiyya wurde im 19. Jahrhundert von Mirza Ghulem Ahmad in Indien gegründet. Er bezeichnete sich noch zu Lebzeiten als Messias und sah seine Rolle in der Vereinigung aller Religionen, was bei anderen islamischen Gemeinschaften zu Widerstand führte.

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