Pressefreiheit-Ranking: Türkei fällt auf 148. Platz

Die internationale Organisation Reporter ohne Grenzen hat ihre Rangliste der Pressefreiheit veröffentlicht. Um die Türkei steht es schlechter als gedacht. Die Türkei verschlechterte sich um 10 Plätze und kam damit auf Rang 148 von insgesamt 178 Ländern.

Dass es in der Türkei mit der Pressefreiheit nicht zum Besten steht, ist kein Geheimnis. Doch nun ist es schwarz auf weiß zu lesen: nach einem internationalen Ranking der Reporter ohne Grenzen (ROG) bezüglich der Pressefreiheit rutschte die Türkei 2011 um zehn Plätze runter und ist nun auf Platz 148 von insgesamt 178 Ländern.

Die letzten Plätze der zehnten jährlichen Liste zur Pressefreiheit belegten Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan. Spitzenreiter sind Finnland, Norwegen und Estland. Dass die Türkei von ihrem ohnehin schlechten Platz noch weiter runtergerutscht ist, liegt an dem zunehmenden Druck auf Journalisten und Medien. (Auch die EU-Kommission hatte die Türkei vorher kritisiert, mehr hier)

„Statt der versprochenen Reformen startete das Justizsystem eine Welle von Verhaftungen von Journalisten, wie es sie das letzte Mal bei der Militärdiktatur (nach dem Militärcoup vom 12. September 1980, Anmerkung der Redaktion) gegeben hat“, zitiert die Tageszeitung Hürriyet aus dem Bericht über die Türkei.

Auch hätte die juristische Drangsalierung von Journalisten in der Türkei zugenommen. „Unter dem Vorwand, den Terrorismus zu bekämpfen wurden Dutzende gefangengenommen, bevor ihnen ein Prozess gemacht wurde“. Das gelte besonders für die Verdächtigen im Fall Ergenekon und KCK, so der Bericht. „Die beispiellose große Anzahl von Verhaftungen, sehr viele Telefonabhörungen und die Missachtung der Geheimhaltung von journalistischen Quellen haben in den Medien ein Klima der Einschüchterung geschaffen“, so die ROG weiter. (Journalisten finden sich mittlerweile mit der Zensur in der Türkei ab, mehr hier)

Überhaupt hat es dieses Jahr in dem Ranking einige Veränderungen gegeben. Mehrere Medienorganisationen mussten hart für ihre Berichterstattung von Volksaufständen gegen die alten, autokratische Führer bezahlen, wie die ROG berichtet. Demnach sollten nicht nur die Proteste im Keim erstickt, sondern auch die Berichte darüber unterdrückt werden. Insgesamt wurden mehr Journalisten verhaftet, entführt oder geschlagen als in den vergangenen Jahren. In den arabischen Ländern rückten besonders Blogger und Bürgerjournalisten ins Visier der Behörden. Sie berichteten dort, wo konventionelle Medien zum Opfer der Zensur wurden und ausländische Berichterstatter sich keinen Zutritt verschaffen konnten.

„Die Kontrolle von Nachrichten und Informationen führte weiterhin Regierungen zur Versuchung und wurde zu einer Frage von Leben oder Tod für totalitäre und repressive Regime“, so die Organisation mit Sitz in Paris.

Deutschland belegt wieder einen „stabilen Mittelplatz“ innerhalb der EU auf Platz 18.

Link zur Rangliste hier

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